Die Ähnlichkeit mit der jungen Kate Moss ist nicht zu leugnen. Zwar ist auch Léa Seydoux Model, doch vor allem ist die 26-jährige Französin derzeit auf dem besten Weg, eine anerkannte Schauspielerin zu werden, und das nicht nur wegen ihrer Schönheit. 20 Filme hat sie bereits gedreht und in großen Schüben wächst ihre Popularität. 2011 holte Woody Allen sie für "Midnight In Paris" vor die Kamera, anschließend zerstörte sie an der Seite von Tom Cruise in "Mission Impossible - Phantom Protokoll" das Interieur. Der vorerst krönende Abschluss ist die Hauptrolle in "Leb wohl, meine Königin" (Kinostart: 31.05.). Als Marie Antoinettes Vorleserin ist Léa Seydoux, ein Mädchen aus (einfluss-)reichem Hause, ungeschminkt zu sehen - und sieht so deutlich besser aus als beim Interviewtermin: Die Grippe, die sie erwischt hat, steht ihr ins Gesicht geschrieben. Man möge ihr verzeihen, dass sie manchmal ein wenig einsilbig wirkt, was auch an ihren ausbaufähigen Englischkenntnissen liegt.
teleschau: Sie sahen sehr natürlich aus im Drama "Leb wohl, meine Königin". Was war das für ein Gefühl, sich so gar nicht hinter Make-up verstecken zu können?
Léa Seydoux: Ich finde das toll, wenn man die Struktur der Haut sieht, und auch mit der Entscheidung ohne Schminke zu arbeiten, bin ich einverstanden. Ich bin ... kein sehr schönes Mädchen.
teleschau: Das ist streitbar - im Gegensatz zu der Tatsache, dass Sie aus einer sehr erfolgreichen Familie stammen. Ihr Großvater Jérôme und ihr Großonkel Nicolas machten sich als Produzenten einen Namen, Ihr anderer Großonkel, Michel Seydoux, ist Präsident des Fußballvereins OSC Lille. Mögen Sie eigentlich Fussball?
Seydoux: Nein, gar nicht.
teleschau: Interessiert Sie Geschichte, etwa die Epoche, in der "Leb wohl, meine Königin" spielt?
Seydoux: Ich bin nicht der große Leser, auch kein wirklich intellektueller Mensch. Aber Gedichte mag ich sehr gerne und impressionistische Kunst.
teleschau: Es gibt eine Szene, in der Sie durch den Flur rennen und dann ganz plötzlich hinfallen. War das so geplant?
Seydoux: (lacht und hat dann einen Hustenanfall) Es war an sich so vorgesehen, aber in diesem Fall passierte es dann ungewollt. Ich bin sehr schnell gelaufen und tatsächlich hingefallen. Es tat auch wirklich weh.
teleschau: Trugen Sie die Kleider, die doch sehr ausufernd sind, gern?
Seydoux: Sie sind sehr unbequem und beklemmend. Aber auch nicht zu vermeiden, da die Kostüme einfach zur Rolle gehörten.
teleschau: Als Vorleserin von Marie Antoinette sind Sie fast besessen von der Königin. Können Sie das nachvollziehen, sich jemand anderem so hinzugeben?
Seydoux: Absolut! Liebe und Obsession liegen eng beieinander. Meine Figur Sidonie war ein Niemand, dieser Job als Vertraute von Marie Antoinette gab ihr eine Existenz. Ich kann gut verstehen, warum sie diese Besessenheit entwickelt. Und ja, wahnsinnig verliebt zu sein, ist ein Gefühl, das ich nachvollziehen kann, aber das sagte ich ja schon.
teleschau: In den letzten Monaten klagten Sie über wenig Freizeit. Ist Ihr Kalender immer noch so voll?
Seydoux: Ich arbeite wirklich viel, aber ich mag das Gefühl mittlerweile. 2011 hatte ich viele spannende Projekte. Und obwohl ich in "Leb wohl, meine Königin" so eine große Rolle hatte, war es nicht die wichtigste.
teleschau: An welche andere Figur haben Sie denn Ihr Herz verloren?
Seydoux: An das Mädchen, das ich in "Belle Épine" spielte. Sie berührte mich im Herzen. Sie ist 17 und hat ihre Mutter verloren. Aber fragen Sie mich nicht nach Details, ich kann Ihnen nicht die ganze Geschichte erzählen. Und daneben war da noch die Zusammenarbeit mit Woody Allen, den ich sehr bewundere für seine Intelligenz. Es war mein Traum, mit ihm zu arbeiten.
teleschau: Wie war es, neben Tom Cruise in "Mission Impossible" zu spielen?
Seydoux: Sehr spannend, ich habe gelernt zu kämpfen. Ein Actionfilm, das ist Hollywood: aufregend und gar nicht anstrengend!
teleschau: Wie schwierig ist es für Sie, nackt vor der Kamera zu stehen?
Seydoux: Oh, ich mag es gar nicht, aber die Kunst verlangt es. Denn im Kino geht es um Realismus. Man kann sich nicht alles aussuchen.
teleschau: Fiel es Ihnen früher leichter, sich auszuziehen? Es gab mal eine freizügige Kampagne von einem Shirthersteller.
Seydoux: Da zeigte ich ja nur meine Brüste. Es ist schon sechs Jahre her, und es fühlte sich so an, als hätte ich nur mit dem Fotografen herumgealbert. Als ich es dann als fertiges Werk sah, dachte ich mir schon, ich hätte es vielleicht lassen sollen.
teleschau: Was ist denn Ihr nächstes Projekt?
Seydoux: Ab Oktober drehe ich mit Vincent Cassell "Die Schöne und das Biest". Ich bin sehr gespannt, denn ich habe ihn bisher noch nicht getroffen, nur einmal gesehen. Ich freue mich darauf, aber achte generell nicht darauf, mit wem ich spiele, sondern mehr auf den Regisseur. Es darf auch ein kleines Projekt sein.
Claudia Nitsche






