Normalerweise würde man Kai Pflaumes beim NDR enorm erfolgreiches Comeback der legendären Hans-Rosenthal-Show "Dalli Dalli" wohl zur Primtime im Ersten sehen. Komplizierte Verhandlungen mit Rechteinhaber ZDF ergaben jedoch, dass die tatsächlich charmante Retroshow "nur" im NDR ausgestrahlt werden darf. Der Begeisterung Pflaumes für den Showklassiker tut das keinen Abbruch - und sie überträgt sich auf andere. Nicht nur die prominenten Kandidaten geben sich bei "Dalli Dalli" die Klinke in die Hand - oft besser gelaunt als anderswo. Auch in Sachen Jury konnte Pflaume einen echten Coup landen. Bastian Schweinsteiger-Freundin und Model Sarah Brandner sitzt ab sofort neben "Mr. Tagesschau" Jan Hofer in der Jury. Holt die bildhübsche 23-Jährige nun zur großen TV-Karriere aus?
teleschau: Sarah, wann sind Sie nervöser: vor einem wichtigen Spiel der deutschen Nationalmannschaft oder einer Sendung "Dalli Dalli"?
Sarah Brandner: Natürlich vor der Sendung. Beim Fußball kann ich den Ausgang eines Spieles nicht beeinflussen. Bei jenen Dingen, die ich selbst steuern kann, geht der Puls hingegen schon deutlich höher. Ich bin zwar kein grundnervöser Typ, aber ein bisschen Anspannung ist vor jedem wichtigen Job schon da. Bei Fußballspielen fiebere ich einfach nur mit. Da bin ich wie jeder andere Fan auch.
teleschau: Nervt Sie die Bezeichnung Spielerfrau?
Sarah Brandner: Das kann schon anstrengend sein - weil ich mich einfach nicht so sehe. "Dalli Dalli" ist auf jeden Fall eine prima Gelegenheit, etwas anderes von mir zu zeigen.
Kai Pflaume: Klischees nerven immer. Genauso wie ich immer der Schwiegersohn bin, bleibt Sarah Spielerfrau und unser Juror Jan Hofer ein extrem konservativer Typ, nur weil er in Schlips und Kragen die "Tagesschau" spricht. Jan Hofer ist übrigens überhaupt nicht konservativ. Genausowenig wie ich ein Schwiegersohntyp bin oder Sarah nur hübsch anzuschauen ist. Aber man muss schon ganz schön strampeln und sich geschickt verhalten, wenn man diese verordneten Klischees brechen will.
teleschau: Sie sind zwei Jahre nach Hans Rosenthals letzter Sendung zur Welt gekommen, Frau Brandner. Mussten Sie erst mal bei Youtube gucken, was "Dalli Dalli" eigentlich ist?
Sarah Brandner: Nein, ich kannte das schon aus Erzählungen. Kai hat mir einige Videos geschickt und mich gefragt, ob ich nicht Jurorin werden möchte. Da war ich schon erst mal nervös. Aber rechtzeitig vor der ersten Aufzeichnung hat sich das wieder gelegt. Jan Hofer als Mitjuror an seiner Seite zu wissen, gibt übrigens viel Sicherheit.
Pflaume: Man kann es beim Einstieg in die Fernsehbranche kaum besser treffen, als in der Jury von "Dalli Dalli" zu sitzen. Der NDR und die Produktion sind ein sehr ambitioniertes, aber auch familiäres Team. Alle fühlen sich der Menschlichkeit und dem Erbe Hans Rosenthals verpflichtet. Das färbt auf alle positiv ab - auch auf die Kandidaten und das Publikum.
teleschau: Was muss man können, um Juror bei "Dalli Dalli" zu werden?
Pflaume: Sarah hat eine grundpositive, freundliche Art und ist sehr empathisch. Sie versteht es, Menschen sehr schnell für sich zu gewinnen. Damit ist sie der Kontrapunkt zu Jan Hofer (lacht).
Sarah Brandner: Es geht darum, aufmerksam und konzentriert zu sein. Dopplungen, Fehler, kleine Mogeleien - so etwas müssen wir entdecken. Man muss auch mal streng sein können. In erster Linie geht es jedoch um den Spaß bei der Show. Wir haben genauso viel Freude bei der Sendung wie unsere Kandidaten. Ich denke, das transportiert sich auch über den Bildschirm.
teleschau: Neulich hat man sie als Schauspielerin in einem Fernsehfilm gesehen. Nun sind Sie bei "Dalli Dalli" dabei. Wohin geht Ihre berufliche Reise, Frau Brandner?
Sarah Brandner: Ich bin 23 und sehe mich noch in einer Phase des Ausprobierens. Als Model arbeite ich ja schon sehr lange, nun schaue ich mir andere Sachen an. Modeln, Schauspiel, Fernsehen machen - das sind ja keine völlig unterschiedlichen Dinge. Andere in meinem Alter wissen oft auch noch nicht genau, wo sie hinwollen. Ich gebe zu, mir geht es ähnlich. Über die Fernsehwelt muss ich sagen, dass ich sie mir schlimmer vorgestellt habe. Ich kann es mir aber vorstellen, dass es nicht überall so familiär und harmonisch zugeht wie beim NDR und "Dalli Dalli". Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, das weiterzumachen.
teleschau: Früher wollten Sie Soziologie studieren. Ist das noch aktuell?
Sarah Brandner: Ein Soziologie-Studium habe ich begonnen, aber inzwischen wieder abgebrochen. Es wäre schon das Richtige für mich gewesen. Aber ich merkte, dass es sich mit dem Modeln nicht vereinbaren lässt. Ich hatte ständig Fehlzeiten bei meinem Bachelor-Studiengang, weil ich arbeiten musste. Das war mir auf Dauer unangenehm und wäre so auch nicht weitergegangen.
teleschau: Die erste Staffel "Dalli Dalli" war für den NDR 2011 ein großer Zuschauererfolg. Vor allem wegen des hohen Nostalgiefaktors?
Pflaume: Dalli-Klick, die Wabenwand, das Tonleiterspiel und natürlich: "Das war spitze!" - All das sitzt im kollektiven Gedächtnis der über 40-Jährigen ziemlich tief. Wir haben diese Elemente sehr sanft modernisiert. Mit viel Liebe zum Detail. Gert Rosenthal, der Sohn von Hans Rosenthal, sagte zu mir, dass es zwei Dinge gäbe, worüber sich sein Vater sehr gefreut hätte. Zum einen den Mauerfall, den er nicht mehr erlebte, und das Comeback von "Dalli Dalli" - 25 Jahre nach seiner letzten Sendung und 40 Jahre nach der ersten. Das sagt, finde ich, eine ganze Menge aus.
teleschau: Haben Sie Hans Rosenthals "Spitze"-Sprung vorher trainiert?
Pflaume: Nein, so etwas trainiert man nicht. Es war eher die Frage, ob es respektlos ist, den Sprung zu machen. Wir kamen jedoch gemeinsam mit Gert Rosenthal zur Überzeugung, dass der Sprung mehr Teil der Show war als eine persönliche Geste Hans Rosenthals. Er sprang ja auch immer auf die gleiche Weise. Insofern ist es okay für mich, das so zu machen - eine respektvolle, feststehende Geste. Der Sprung gehört aber wirklich nur in dieses Studio und nicht irgendwo auf den roten Teppich. Dort wollten die Fotografen früher, dass ich mit den Händen ein Herz forme. Heute soll ich eben hochspringen. Letzteres kommt für mich nicht in die Tüte. Das ist eine Frage des Respekts vor einem genialen Showmaster, großen Fernseherfinder und tollen Menschen.
teleschau: Ist "Dalli Dalli" für Ihre Generation, Frau Brandner, nicht Fernsehen aus der Steinzeit?
Sarah Brandner: Nein, überhaupt nicht. Ich bin kein Fan dieser vielen anstrengenden, überladenen Shows. Dieser Art Fernsehen, das vor allem extrem sein und damit ein junges Publikum bedienen will. Mittlerweise wissen doch alle, dass der Krawall und die Konfrontation bei solchen Shows nur gestellt sind. Dagegen kommt bei "Dalli Dalli" echte Freude und Spaß am Spiel rüber.
teleschau: Was schauen Sie sich sonst im Fernsehen an - außer Fußball?
Sarah Brandner: Vor allem "Tatort". Der ist für mich ein Sonntagsritual. Das ist ja zumeist ein Ruhetag. Dann heißt es bei mir: gut essen und danach den Krimi einschalten. Castingshows gucke ich mittlerweile gar nicht mehr.
teleschau: Herr Pflaume, Sie wirken immer so souverän. Kennen Sie eigentlich Lampenfieber?
Pflaume: Lampenfieber kenne ich tatsächlich nicht. Das ist ja eher eine generalisierte Angst, die niemals ganz weggeht - ein Persönlichkeitsmerkmal. Ich werde nur nervös, wenn kurz vor der Sendung der Strom ausfällt oder wichtige Gäste fehlen. Eine nötige Grundspannung ist natürlich trotzdem da und auch wichtig, um sich konzentrieren zu können.
Eric Leimann








