Kino / Portraits

Back in Äktschn

Arnold Schwarzenegger feiert am 30. Juli seinen 65. Geburtstag - und danach sein Comeback

Eigentlich hätte der Jubel unmöglich lauter werden können. Die bloße Anwesenheit von Arnold Schwarzenegger versetzte die Besucher der US-Filmmesse Comic-Con in eine Euphorie, die man sonst bestenfalls bei "Twilight"-Autogrammstunden oder "Star Trek"-Conventions erleben kann. Und dann lehnte sich der gebürtige Österreicher zum Mikrofon, um mit drei Worten in seinem unverkennbaren Dialekt den Saal vollends zum Kochen zu bringen: "I'm back." Und er meint es ernst: Nachdem die "Äktschn"-Legende im ersten Teil von Sylvester Stallones "The Expendables" nur einen Gastauftritt hatte, darf Schwarzenegger in der Fortsetzung (Start: 30. August) seit Langem mal wieder richtig ran: Er rennt, schlägt und schießt, als hätte es die "Auszeit", in der er als Gouverneur Kalifornien regierte, nie gegeben. Am 30. Juli wird die österreichische Verkörperung des amerikanischen Traums 65 Jahre alt.

Während der Stuntszenen mache sich das Alter nicht bemerkbar, versichert Arnold Schwarzenegger auf Nachfrage seiner Fans. Nur müsse er nun am Ende eines Drehtags eine Menge Eis auf seine Gelenke packen. Irgendwie beruhigend. Schließlich konnte man in seinem letzten großen Film "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" (2003) durchaus den Eindruck gewinnen, dass "Arni" in den 22 Jahren, die seit "Terminator 2" vergangen waren, kein bisschen gealtert sei. Jetzt fallen sie schon deutlicher ins Auge, die Spuren, die die Jahre hinterließen: Die Stirn ist ein wenig höher, die Augenpartie faltiger, die Haut an den Wangen etwas schlaffer.

Dennoch: Die obligatorische Frage nach dem Rentenantritt kann man sich bei diesem Jubilar getrost sparen. So groß wie seine Muskeln in seinen Bodybuilding-Zeiten waren, waren immer auch sein Ehrgeiz und sein Geschäftssinn. Die vielen dümmlichen Einzeiler, die er im Laufe seiner Filmkarriere runterrasseln durfte, ließen nur gern in Vergessenheit geraten, dass der berühmteste Sohn der Steiermark seine erste Million mit Immobiliengeschäften machte - vor "Conan der Barbar" (1982), vor "Terminator" (1984), vor "Total Recall" (1990). "Lass sie mich ruhig für blöde halten, wenn sie nur mit ihren Dollars herüberkommen", sagte die "Steirische Eiche" einst.

Und selbst wenn Schwarzenegger keinen Uni-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre und zwei Amtszeiten als Gouverneur Kaliforniens vorweisen könnte: Wenn jemand, den ein Kritiker einst als einen schlechteren Schauspieler als Lassie bezeichnete, mit seinen Filmen dennoch insgesamt über drei Milliarden Dollar einspielte, kann er so dumm doch nicht sein! Nur zu gern kokettiert der neunfach für die Goldene Himbeere nominierte Schauspieler mit dem Wissen um sein begrenztes darstellerisches Talent: "Manche sagen, ich hätte vor acht Jahren aufgehört zu schauspielern. Andere sagen, ich hätte eh nie geschauspielert", resümierte er beiläufig auf der Comic-Con. Die Lacher der Fans waren ihm sicher.

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Einen Golden Globe nennt der Hüne trotzdem sein Eigen: 1976 zeigten sich die ausländischen Journalisten in Hollywood von seiner Performance in "Mister Universum - Stay Hungry" beeindruckt und erklärten sie zum besten Schauspieldebüt des Jahres. An eben diesem Abend sollte Schwarzenegger zum ersten Mal auch den Mann treffen, der im Action-Genre sein ewiger Konkurrent werden sollte: Sylvester Stallone, dessen Frau Mama den frischgekürten Nachwuchsstar mit den Worten "Du siehst aus wie ein Möbelpacker!" begrüßte.

Gewohnt selbstironisch blickt Schwarzenegger auf die Jahre zurück, in denen zwangsläufig entweder er oder "Sly" der Held in einem Actionfilm zu sein scheinen mussten: "Die letzten 30 Jahre ging es immer darum, wer wie viele umgebracht hat, wer am brutalsten tötete, wer mehr Muskeln hatte, wer mehr Öl auf den Muskeln hatte - da ist es schön, jetzt auch einmal zusammenzuarbeiten." So schön, dass die beiden nach "The Expendables 2" gleich noch "The Tomb" drehten, einen Thriller, der wohl 2013 erscheinen wird - wie übrigens auch der Neo-Western "The Last Stand" und die Actioner "Ten" und "The Unknown Soldier", in denen Schwarzenegger die Hauptrollen spielt.

Dabei sah es nach dem (vorzeitigen?) Ende seiner politischen Laufbahn zunächst gar nicht so aus, als könne der "Gouvernator" nahtlos an seine frühere Karriere anknüpfen: Das Saubermann-Image, das die österreichische Verkörperung des amerikanischen Traums jahrelang pflegte, nahm seit seinem Rückzug aus dem Filmgeschäft erheblich Schaden: Sein Einsatz für die Umwelt konnte viele seiner Wähler nicht über seine umstrittene Haushaltspolitik hinwegtrösten. Mit seiner unnachgiebigen Haltung zur Todesstrafe zog sich der Republikaner 2005 den Zorn seiner österreichischen Landsleute zu, die laut darüber nachdachten, ihm die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Und im Mai 2011 scheiterte nach 25 skandalfreien Jahren Schwarzeneggers Ehe mit Kennedy-Nichte Maria Shriver - der bis dato vierfache Vater gestand seiner Frau und der Weltöffentlichkeit, noch einen Sohn mit seiner langjährigen Haushaltshilfe zu haben.

Für andere Hollywoodstars können solche Eskapaden durchaus den vorzeitigen Ruhestand bedeuten: Allzu oft steht und fällt mit der aktuellen Beliebtheit eines Stars auch das Einspielergebnis des neuen Films. Und Ehebruch gehört nicht gerade zu den Dingen, mit denen man sich in der amerikanischen Gesellschaft beliebt macht.

Doch Arnold Schwarzenegger ist nun mal nicht irgendein Schauspieler. Sondern, wie sein Kollege Stallone bemerkte, "ein Filmstar, wie es ihn kein zweites Mal geben wird". Seine Fehltritte sind noch nicht vergessen, aber von den Fans vergeben. Zwar gibt es noch keine Box-Office-Zahlen, die diese Annahme bestätigen. Doch die überschwänglichen Reaktionen, die Schwarzeneggers Auftritt auf der Comic-Con auslöste, lassen ahnen, dass er Recht behalten wird: Er ist zurück.

Annekatrin Liebisch

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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