Kino / Portraits

Zurück auf Entdeckungsreise

Moses Pelham sucht den "X Factor" (ab 26.08. sonntags, 20.15 Uhr, bei vox, Premiere Sa., 25.08., 20.15 Uhr, bei RTL)

"Und jetzt noch mal oben gucken, bitte!" Klickklickklickklickklickklickklick. Die Fotografen legen sich ins Zeug bei der Vorstellung der neuen Staffel "X Factor" (Premiere Samstag, 25.08., 20.15 Uhr, bei RTL, ab 26.08. immer sonntags, 20,15 Uhr, bei vox). Die Juroren schauen brav in die Kameras, posieren, setzen auch mal verschiedene Gesichter auf. Nur einer sieht konstant bekümmert aus: Moses Pelham. "Ich liebe Musik, und ich rede auch gerne darüber", sagt er später über den Termin. "Aber dieses Blitzlichtgewitter, das ist schon komisch: Heute morgen bin ich doch noch ganz normal aus dem Haus gegangen und dann so was! Tut mir echt leid, ich kann das beim besten Willen nicht ernstnehmen." Ganz bescheiden gibt er sich - nur eine der Überraschungen während des Gesprächs. Den Mann, der einst das Rödelheim Hartreim Projekt ("Höha, Schnella, Weita") mit begründete, hatte man sich im direkten Umgang irgendwie weniger höflich, weniger verschmitzt und - Entschuldigung - weniger knuffig vorgestellt. Mit seinen "Pelham Power Productions" gilt er als Entdecker von Sabrina Setlur, Xavier Naidoo und Cassandra Steen - und einigen auch als Neidhammel, der Naidoo erst nach einem langwierigen Gerichtsstreit aus seinem Vertrag entließ. Ein Fehler, wie er im Interview andeutet. Einer von vielen. Aber bei seiner nächsten Entdeckung will der 41-Jährige alles richtig machen.

teleschau: Wenn Sie eine Castingshow casten würden, wären Sie auf sich als Juror gekommen?

Pelham: Auf jeden Fall, ja.

teleschau: Sie hatten also auch selbst schon den Wunsch, da mal mitzumachen?

Pelham: Nee! (lacht) Wunsch, nee. Aber ich wäre auf mich gekommen, weil ich finde, dass jemand, der das hauptberuflich macht, ein naheliegender Kandidat ist. Eigentlich. Ohne irgendwelche anderen Sendungen kritisieren zu wollen, hat man beim Ansehen bestimmter Shows gelegentlich mal den Gedanken: "Warum redest du denn jetzt über Musik? Mach doch erst mal selbst welche!" Ich bin aber natürlich auch schon das eine oder andere Mal gefragt worden. Und beim ersten Mal habe ich mich noch ernsthaft damit beschäftigt, bis ich merkte: Die wollten gar nicht mich. Die wissen gar nicht, wer ich bin. Die wollen nur jemanden, der das macht, was sie gemacht haben wollen. Für so etwas stehe ich allerdings nicht zur Verfügung.

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teleschau: Wie haben die "X Factor"-Macher Sie von Ihrem Konzept überzeugt?

Pelham: Ich bin ja leider auch ein Mensch voller Vorurteile, also hab ich, vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen, erst mal gar nicht selbst mit denen gesprochen. Aber was man dann an mich herantrug, klang so interessant, dass ich doch mal zu einem Gespräch bereit war und ein paar Fragen stellte. Das Konzept klang dann so spannend, dass ich mitmachen wollte.

teleschau: Und jetzt, nach den ersten Castingrunden?

Pelham: Bin ich immer noch sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Mir macht das Spaß. Es ist bestimmt uncool, das zu sagen. Aber ich bin gerne mit den anderen drei Juroren zusammen, ich interessiere mich halt für Musik, und ich mag es, mit den anderen gemeinsam Musik anzuhören und mich mit Ihnen darüber auszutauschen. Wir sind oft unterschiedlicher Meinung, aber öfter als man denkt sind wir auch einer Meinung. Ich mag auch den Austausch mit den Kandidaten.

teleschau: Jetzt sind Sie also Teil der "weichsten Jury der Welt". Stehen Sie immer noch zu diesem Urteil, das Sie über sich und Ihre Kollegen fällten?

Pelham: Ja. Dadurch, dass wir alle vier Menschen sind, die Musik machen und auch auf der Bühne stehen, haben wir einen anderen Respekt davor, wenn jemand sich erst mal beim Casting vor die 800 Leute im Studio stellt - und dann noch mit dem Wissen, dass das später drei Millionen Menschen im Fernsehen sehen! Natürlich sollte man jedem Menschen grundsätzlich Respekt entgegenbringen. Das wird garantiert nicht aufgehoben, wenn sich einer auf eine Bühne stellt. Im Gegenteil: Da setzt sich jemand einer Kritik aus ... also, meins wäre das nicht.

teleschau: Bitte? Aber Sie stehen doch auch selbst auf der Bühne ...

Pelham: Da ist ein Unterschied. Jemand, der auf die Bühne geht, sehnt sich grundsätzlich nach der Anerkennung und Bestätigung der Menschen, die vor der Bühne stehen. Was die Kandidaten dann da durchmachen: "Was gefällt dir denn an meinem Stück nicht? Was kann ich anders machen?" Ey, mein Arsch! Wenn ich ein Lied mache, dann ist das so, wie es ist. Und wenn es einem so nicht gefällt, brauchen wir uns nicht weiter zu unterhalten. Ich hab mir so viele Gedanken gemacht, da kann sich doch jetzt nicht einer drei Minuten lang damit auseinandersetzen und mir dann sagen, was daran besser sein könnte! Deshalb respektiere ich es sehr, wenn sich jemand dem aussetzt. Das geht den anderen Juroren bestimmt auch so. Und deshalb haben wir auch manchmal Leute ins Bootcamp mitgenommen, bei denen man beim zweiten Hinhören schon hätte wissen können, dass es nix wird. Aber das ist auch nicht weiter wichtig. Am Ende kommen in die Juryhäuser nur 24 Leute, dann muss man hier eben ein bisschen härter aussieben.

teleschau: Es wird aber nicht nur gesiebt in den Juryhäusern, sondern auch gecoacht. Was macht einen guten Mentor aus?

Pelham: Ich kann es nicht allgemein beantworten, aber ich habe für mich die Antwort gefunden, dass ich nicht vorher schon einen Plan haben will. Ich will auf die Menschen eingehen. Es gibt sicher Kandidaten, denen ich nur dadurch helfen kann, dass ich ein paar Kontakte vermittle und denen sage: "Lasst die einfach mal machen, das ist geil." Und es gibt Kandidaten, bei denen ich mich intensiver einbringen könnte. Aber da ist immer noch die Frage, ob die das auch wollen. Ich möchte auf keinen Fall irgendetwas gegen den Willen eines Kandidaten machen.

teleschau: Gab es einen Lernprozess, bis Sie dieses persönliche Patentrezept gefunden hatten?

Pelham: Ich habe auf jeden Fall Fehler gemacht. Und ich hoffe, ich hab die auch alle mitbekommen. Vielleicht nicht. Aber die Dinge, die ich als Fehler identifiziert habe - die bemühe ich mich, nicht zu wiederholen.

teleschau: Welche Fehler waren das?

Pelham: Zu viele, um sie jetzt aufzuzählen. Aber ich komme immer wieder in Situationen, in denen ich das Gefühl habe, schon einmal an dem Punkt gewesen zu sein. Ein Beispiel, das jetzt nichts mit "X Factor" zu tun hat: Wenn man sich entscheidet, für jemanden zu arbeiten, ist das etwas Langfristiges, man steckt so viel an Kraft, Energie und - das muss man ehrlich sagen - Geld hinein, dass man aus der Sache kaum noch rauskommt. Und ich hatte dann oft eine Vision, und mein Gegenüber sagte: "Ja, ja, geil, so machen wir das" - und erst unterwegs, viel zu spät, merkte ich, der will das gar nicht. Der hat Ja gesagt, weil er von dem Ding so geflasht war, oder weil er sich nicht getraut hat, Nein zu sagen, aber eigentlich will er etwas anderes. Das ist unglaublich traurig und ermüdend.

teleschau: Und die Lehre?

Pelham: Inzwischen bemühe ich mich, vorher rauszufinden, ob es wirklich eine gemeinsame Vision gibt. Das Ganze macht ja auch nur dann richtig Spaß, wenn man auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet. Das wichtigste ist, vorher ganz genau abzuklopfen, ob der andere auch wirklich, wirklich will. Das ist wie in allen Partnerschaften: Man braucht eine gewisse Ehrlichkeit. Und es muss ja auch nicht unhöflich sein, wenn einer sagt, er möchte lieber etwas Anderes. Hauptsache ehrlich.

teleschau: Was andere Fehler aus der Vergangenheit angeht ...

Pelham: Oh, jetzt wird's schmerzhaft.

teleschau: Genauer gesagt war es damals schmerzhaft für Stefan Raab, dem Sie 1997 die Nase brachen, nachdem er Sie über Wochen in seinen Sendungen provoziert hatte. Die Sache ist jetzt 15 Jahre her, und trotzdem wird sie in fast jedem Artikel über Sie erwähnt - auch in diesem Interview. Nervt das, oder perlt es inzwischen an Ihnen ab?

Pelham: Es nervt. Ich finde, ich hab echt spannendere und vor allem löblichere Dinge in meinem Leben getan.

teleschau: Versuchen Sie, die ständigen Erwähnungen aktiv zu bekämpfen?

Pelham: Ich sage es immer wieder gerne: Grundsätzlich lehne ich Gewalt ab. Das ist natürlich ein tolles Lippenbekenntnis. In dieser Situation damals war es so wie bei der Wehrdienstverweigerung: "Okay, du bist gegen Gewalt - aber jetzt wird deine Mutter angegriffen. Was machst du denn dann?" Da ist natürlich der Speck an der ganzen Sache. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sagt, ich muss mich für mich selbst gerademachen. Ich hab mir damals nicht anders zu helfen gewusst. Und so passiert so was.

teleschau: Bei einer so virulenten Vergangenheit: Was ist denn für Sie am wichtigsten - Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?

Pelham: Die Gegenwart natürlich. Ich weiß ja, dass die Gegenwart die Zukunft macht. Jetzt und hier ist der einzige Moment, in den ich eingreifen kann. Was war, ist vorbei. Und was sein wird, hängt davon ab, was ich jetzt tue.

teleschau: Und was tun Sie jetzt am liebsten?

Pelham: Etwas, das ich für gerecht und vertretbar halte. In jeder Beziehung.

Sabine Metzger

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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