Kino / Portraits

Ein Herz für Autos

Det Müller moderiert "die neue RTL II-Dokusoap "Mein neuer Alter" (ab So., 19.08., 17.00 Uhr)

Er ist der Alteisen-Spezialist aus dem Team von "Grip - Das Motormagazin". Mit seinen flotten Sprüchen und seiner unbekümmerten norddeutschen Art hat sich RTL II-Autokenner Det Müller eine beachtliche Fangemeinde aufgebaut - und die nicht nur auf Schraubermessen und Gebrauchtwagen-Höfen. Wegen seiner Bastelleidenschaft, alte Karossen wieder flott zu machen, wurde der gute Mann aus Cloppenburg, der am 10. August 42 Jahre alt wird, früher "Det Defekt" gerufen. Doch Müller hat nicht nur ein Herz für Fahrzeuge, sondern auch für Mitmenschen. In seiner ersten eigenen Dokusoap "Mein neuer Alter", die RTL II ab Sonntag, 19. August, im Wochenrhythmus jeweils um 17.00 Uhr zeigt, hilft er eher unerfahrenen Auto-Käufern mit Tipps, auf was sie beim Erwerben eines Gebrauchtwagens achten müssen.

teleschau: Herr Müller, Sie begleiten in Ihrer neuen Sendung Leute beim Gebrauchtwagenkauf. Wird man denn wirklich so häufig übers Ohr gehauen, wenn man ohne Profi-Hilfe auf den Platz geht?

Det Müller: Ich sage mal: Man muss sich im Vorfeld schon klar werden, was man eigentlich will. Wenn man uniformiert so einfach mal zum Händler läuft, begibt man sich gleich von selbst in die Opferrolle. Besser ist es, wenn man ein bestimmtes Modell anfragt - und schon genau sagen kann, welche Kategorie und Motorleistung man haben möchte und dann nur noch ein paar Eckdaten zum Fahrzeug abfragt. Jeder Händler versucht natürlich die Autos, die schon länger bei ihm auf dem Hof stehen, wieder in den Verkehr zu bekommen. Die Grundregel ist: Wenn eine Karre länger als drei Monate beim Händler parkt, dann hat der Verkäufer etwas falsch gemacht.

teleschau: Würden Sie empfehlen, vorher schon einmal mehr oder weniger inkognito auf den Platz zu gehen und die Fahrzeuge genau unter die Lupe zu nehmen, bevor man den Verkäufer überhaupt anspricht?

Det Müller: Man muss nichts heimlich machen. Wenn ich weiß, was ich will, kann ich das auch öffentlich kundtun. Es ist schon wichtig, dass man sich vor dem Verkäufergespräch schlau macht - und die Stärke und Schwächen eines Fahrzeugs feststellt. Es macht keinen Sinn zum Händler zu gehen und ihn zu bitten, dass er mich über die Schwächen eines seiner Autos informiert. Er will natürlich nur das Positive rausstreichen. Ums Negative muss man sich selbst kümmern. Andernfalls zieht man sich eine Standuhr vom Hof, die preislich meist überteuert ist und schon länger Staub angesetzt hat.

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teleschau: Viele Händler spielen ja ein ganz geschicktes Spiel und tauschen die Autos teilweise untereinander aus.

Det Müller: Wenn man mitbekommt, dass ein Fahrzeug nur von einem anderen Händler versetzt wurde, kann man das ganz geschickt nutzen. Dann gehe nämlich ich selbst direkt auf den Verkäufer zu und mache ihm ein Angebot - indem ich ihn "von seinen Lasten befreie".

teleschau: Wie häufig werden Sie eigentlich privat gefragt, ob Sie Freunde und Verwandte zum Autokaufen beim Gebrauchthändler begleiten sollen?

Det Müller: (lacht) Na ja, es hat sich schon rumgesprochen, dass ich an dem einen oder anderen Wochenende einen Blick auf Autos riskiere. Aber ich versuche schon, Beruf und Freizeit ein wenig zu trennen. Obwohl: Das geht ja gar nicht. Ich fahre ja die ganze Woche über und damit selbstverständlich auch am Wochenende nur Fahrzeuge.

teleschau: Welchen Tonfall muss man denn anschlagen, wenn man mit Händlern spricht - auch mal forsch oder lieber gut informiert sachlich?

Det Müller: Erstens muss die Chemie stimmen, zweitens muss er auch genau wissen, dass man kein Blödmann ist und sich von geschönten Tatsachen nicht beeindrucken lässt. Wenn man zu erkennen gibt, dass man Bescheid weiß, kann man sauberes Material einfordern - zu einem guten Kurs. Man kann jedes Geschäft so hindrehen, dass man den Verkäufer selbst von seinem Fahrzeug erlöst.

teleschau: Das zieht?

Det Müller: Aber sicher. Die Autohändler stehen mächtig unter Druck. Sie müssen in der Regel eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen pro Monat umsetzen und darauf achten, dass die ollen Dinger wieder auf die Straße kommen. Sonst sind sie keinen guten Verkäufer. Dies ist immer ein Hebel, an dem man ansetzen kann. Es ist ein sportliches Spiel: Man kauft nicht irgendwas, sondern man kauft den Verkäufer frei.

teleschau: Wie viel Prozent unter den aufgerufenen Preis zu gehen, ist Ihrer Erfahrung nach realistisch?

Det Müller: Das hängt immer davon ab, wie man mit dem Mann klar kommt. Wenn man sich von vornherein unsympathisch ist oder wenn ich merke, dass er mir Blödsinn erzählen möchte, dann ist die Stimmung im Keller. Wenn ich merke, dass er sich Mühe gibt, und ich spüre, dass er genauso will wie ich, dann kann man sich annähern. Wenn ich das Fahrzeug, das mich interessiert, schon einmal bei einem anderen Händler gesehen habe und so erfahre, dass sie das Auto nur untereinander hin und her geschoben haben, dann fordere ich stumpf die Hälfte und lass mich dann nur noch sehr zögerlich umstimmen. Irgendeine Macke muss dieses Fahrzeug dann ja haben. Innerlich ziehe ich mindestens die Reparaturkosten ab und schlage noch einen Aufschlag drauf.

teleschau: Was sind denn die häufigsten versteckten Problemzonen, die Laien beim Gebrauchtwagenkauf übersehen?

Det Müller: Nehmen wir doch mal das Beispiel Sportwagen. Bei dem Thema gehen alle Männer erst einmal richtig steil, weil sie so ein Auto schon immer haben wollten. Wenn Sie beim Händler einen finden, der Sie anfunkelt, dann geht der Herzschlag hoch. So sind Sie schon einmal geblendet. Wenn man die Türen aufmacht, haben solche Fahrzeuge gerne schönes Leder. Da fühlt sich Vati gleich kuschelig. Und dann hat das Auto beim Anlassen auch noch satten Klang. Was soll da passieren, fragen Sie sich.

teleschau: Genau, was denn?

Det Müller: Man muss sich unbedingt die Vorderachse ansehen. Ist die total ausgeschlagen? Sportwagen werden ja stark getreten. Dementsprechend muss man prüfen, wie belastet Bremsen, Scheiben und Klötze sind. Dann muss man checken, ob der Auspuff aufgebohrt wurde, weil da so ein Hobby-Bastler daran rumgefummelt hat. Wegen des satten Sounds muss man sich fragen: Hat da irgendwer billigen Müll eingeschweißt? Vieles davon gerät in den Hintergrund, wenn der Puls zu stark schlägt. Wenn's zu sehr funkelt, muss man die Jungs erst einmal wieder beruhigen. Die Technik muss 1a sein, sonst zahlt man drauf.

teleschau: Würden Sie empfehlen, dass den Sportwagen besser die Freundin kauft?

Det Müller: Eine Dame mitzunehmen, ist immer ein gutes Argument, wenn man den Verkäufer ein bisschen beeindrucken will. Wenn er dann die Zehen rund macht, ist er nicht so sympathisch. Vielleicht kann man so den einen oder anderen Euro rausholen.

teleschau: Dank der gigantischen Verschrottungsaktion durch die Abwrackprämie soll es ja zuletzt kaum Gebrauchtwagen gegeben haben. Hat sich der Markt wieder erholt?

Det Müller: Im Preissegment bis circa 4000 Euro ist eine unheimliche Lücke entstanden. Die ganzen Studentenkisten oder Dauerlaufkombis, die eigentlich noch gut waren, fehlten plötzlich. Deswegen sind auch ja viele Fähnchenhändler kaputt gegangen. Und die Exportwirtschaft hat sich totgelacht. Wie doof sind die Deutschen, wenn sie super Autos wegschmeißen! In Einzelteilen gingen die Schrottautos nach Afrika - und wurden dort wieder neu eingebaut. Die vielen Schiffe mit unseren Autoresten haben einen ganzen Kontinent unglaublich glücklich gemacht.

teleschau: Wie hat sich Ihr Leben verändert, seitdem Sie so oft im Fernsehen zu sehen sind?

Det Müller: Natürlich werde ich erkannt - und freue mich darüber. Ich muss aber trotzdem immer noch selbst einkaufen. Ich wasche meine Wäsche immer noch selbst - und kriege viele Flecken immer noch nicht raus. Es gibt viel Positives, aber im Groben hat sich kaum was verändert. Fahrzeuge liebe ich heute wie früher - und gute Laune habe ich immer noch.

Rupert Sommer

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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