Kino / Portraits

"Es geht nicht um Sex, es geht um den Spaß!"

Matthew McConaughey & Channing Tatum lassen in "Magic Mike" (Start: 16.08.) die Hüllen fallen

Hand aufs Herz: Kaum ein Mann hätte wohl etwas dagegen, gut tanzen zu können und nackt umwerfend auszusehen. Was für eine Gelegenheit also, sich mit zwei Männern unterhalten zu dürfen, die das in ihrem aktuellen Striptease-Film "Magic Mike" perfekt meistern: Channing Tatum und Matthew McConaughey. Doch das Gespräch mit dem smarten Tatum (32) und dem eher maulfaulen McConaughey (43) sollte weniger in Bezug auf nackte Tatsachen ergiebig werden. Es geriet vor allem zu einem Treffen zweier Schauspielergenerationen, deren Unterschiede nicht zuletzt für eine Zeitenwende in Hollywood stehen könnten.

Wollte man Mitte der 90er-Jahre Hollywoodstar werden, musste man sich ausziehen, oder vors Gericht gehen: Es war einerseits die große Zeit der freizügigen Rollen von Sharon Stone ("Basic Instinct") oder Demi Moore ("Striptease"), andererseits auch die große Zeit des Bestsellerautors John Grisham. Wer seine Justizthriller wie "Die Akte", "Der Klient" oder "Das Urteil" verfilmte, landete einen Hit. Wer in ihnen den Anwalt spielte, wurde ein Star. Matthew McConaughey gehört in diese Reihe.

Der gescheiterte Jurastudent aus Texas feierte in "Die Jury" seinen Durchbruch, mit gegeltem Haar, sportlichem Brillenmodell, modischem Anzug und einer cleveren Taktik. Millionen Kinozuschauer waren begeistert. McConaughey bekam Hauptrollen bei Steven Spielberg und neben Jodie Foster. 2005, in dem Jahr, in dem er zum "Sexiest Man Alive" gekürt wurde, belief sich seine Gesamtgage für "Sahara" auf fast zehn Millionen Dollar. Immerhin.

Die Zeiten haben sich geändert. Das Wort "Jury" ruft heutzutage eher Assoziationen zu TV-Casting-Show hervor; wer ein Star werden will, muss eben dort eine authentische Performance hinlegen. Für Striptease jeder Art gibt es das Internet, Nacktheit ist Alltag. Millionengehälter sind im Zeitalter der Rettungsschirme irgendwie anrüchig geworden. Das bleibt nicht ohne Folgen, auch nicht für Matthew McConaughey. "Magic Mike" hatte gerade Mal ein Gesamtbudget von sieben Millionen Dollar. McConaughey selbst spielt im Film von Steven Soderbergh nur noch eine Nebenrolle, Dallas, den Chef einer Männerstrip-Revue, der selbst aus Altersgründen aber nur noch im Notfall blank ziehen mag. Normalerweise gibt der Mittvierziger in Cowboykostümen den Conferencier und Pausenclown.

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Diese Rolle behält Matthew McConaughey auch beim Interview bei. Er trägt coole Teilnahmslosigkeit zur Schau, sieht aus, als käme er gerade vom Golfen. Er kaut ein bisschen Kaugummi und poliert minutenlang seine Sonnenbrille, um sie schließlich auf seine karierte Schiebermütze zu stecken. Wenn er sich verbal überhaupt äußert, kommt in der Regel ein Witzeln heraus: "Ob ich Probleme habe, mich vor der Kamera auszuziehen? Überhaupt nicht. Am liebsten mache ich das im Gerichtssaal, um die Jury auf meine Seite zu ziehen", kalauert er im breitesten Texanisch und in Anspielung auf jene Anwalts-Rolle, die immer noch seine berühmteste ist.

Channing Tatum, der schon in Soderberghs vorherigem Film "Haywire" mitspielte, wirkt daneben im weißen Hemd und mit geradem Rücken so seriös wie ein gewissenhafter Bankangestellter. Im sachlichen Ton, ein stets verschmitztes Lächeln auf den Lippen, gibt er Auskunft über den Job des mänlichen Strippers, den er mit 18, 19 tatsächlich selbst ausübte. Er sagt Sätze wie: "Es war eine gute Zeit damals, aber ich war auch zu jung und dumm, um zu erkennen, wie verrückt das alles war." "Magic Mike" beruht auf Tatums Erfahrungen aus jener Zeit. Er hat ihn selbst produziert und spielt die Hauptrolle, also gewissermaßen sich selbst.

Das funktioniert gut: In den USA hat "Magic Mike" über 100 Millonen Dollar eingespielt, das Fünfzehnfache seiner Kosten. Von der Hysterie, die noch vor 16 Jahren um einen Film wie "Striptease" geschürt wurde, ist heute indes nichts mehr zu spüren. Tatum verkauft seinen Film nicht als Skandal, eher wie eine jugendfreie Dienstleistung: "Ich glaube nicht, dass es für die Frauen, die sich solche Strip-Shows ansehen, um die Erfüllung sexueller Bedürfnisse geht," meint er. "Yeah, es geht nur um den Spaß", nölt McConaughey kurz dazwischen. Tatum ergänzt: "Die Frauen kommen da in Gruppen hin, weil sie zusehen wollen, wie sich ein geölter, muskulöser Typ auf den Schoß ihrer besten Freundin setzt. Zu sehen, was für ein Gesicht ihre Freundin in so einem Moment macht und sich darüber kaputt zu lachen - darum geht es Frauen, die zu solchen Shows kommen."

Wie er da so sitzt, kommt Channing Tatum daher wie der Prototyp eines modernen Kinostars. Er wirkt vor allem bodenständig, dabei allüren- und auch ein bisschen keimfrei. McConaughey hingegen kommt während des ganzen Interviews nur einmal richtig aus sich heraus. Als er nach den Gemeinsamkeiten von Strippern und Schauspielern befragt wird, fühlt er sich an der Ehre gepackt: "Strippen ist eine Show, eine Performance. Ein Schauspieler bringt viel mehr von sich in seine Arbeit ein. Eine Strip-Nummer dauert gerade mal so lange, wie der Song, zu dem du tanzt. Du musst nur darauf achten, dass du dir deinen Slip nicht zu früh ausziehst. Danach gehst du von der Bühne und lachst dich tot." Channing Tatum nickt zustimmend. McConaughey grinst - und poliert wieder seine Sonnenbrille.

Ralf Krämer

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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