Theresa Underbergs Karriere vor der Kamera begann früh. Genauer gesagt, im Alter von vier Jahren. Weil ihre Model-Mutter einen Fotografen kannte, der für eine Kampagne ein kleines, blondes Mädchen suchte. Resi, wie jenes Mädchen heute nicht allzu hanseatisch gerufen wird, bekam den Job und bewegte sich fortan in Zirkeln mit Menschen, die "etwas mit Medien" machen - wovon es in Hamburg immer noch eine Menge gibt. Trotzdem verlief der Weg der heute 27-Jährigen zum Co-Star der neuen SAT.1-Serie "Es kommt noch dicker" (ab 10.09., montags, 20.15 Uhr) nicht ganz schnörkellos. Auch deshalb, weil sich die zierliche Blondine nicht zutraute, ihren Traumberuf Schauspielerin auf klassische Art an einer Schule zu erlernen. Stattdessen sprach sie Werbespots und Kinderhörspiele, erwog ein Skandinavistik-Studium und machte eine Ausbildung zur TV-Redakteurin.
Ein erfolgreiches Casting für die ARD-Soap "Verbotene Liebe" veränderte schließlich Resis Leben. Drei Jahre spielte sie die Rolle der Lydia Gräfin von Lahnstein. Ihr Ausstieg 2011 mündete in einem weiteren Karriereschritt. An der Seite von Wolke Hegenbarth ergatterte Theresa Underberg die zweite Hauptrolle in "Es kommt noch dicker". Eine Körpertausch-Serie, die von ihren gertenschlanken Stars verlangt, sich dick im Fatsuit zu fühlen oder eine dünn gewordene Dicke zu geben. Was wohl schwieriger ist?
Mann zu Frau oder Hund. Alt zu jung. Dick zu dünn. Und natürlich umgekehrt. Bodyswitch-Komödien gehörten im Hollywood-Kino der letzten 20 Jahre zu den großen Erfolgsgaranten. Mit "Es kommt noch dicker" ist die nicht ganz neue, aber ewig reizvolle Idee auch mal wieder im deutschen Serienfernsehen vertreten. Wolke Hegenbarth ("Alles Klara"), quirlig-hübsche Komödien-Allzweckwaffe im unterhaltenden TV-Segment, spielt die diszipliniert schöne Jessica, Chefin eines Fünf-Sterne-Hotels. Plötzlich wacht sie im Körper einer dicken Frau auf. Der gehört eigentlich Theresa Underberg, beziehungsweise ihrer Rolle Rike, einer gemütlich zufriedenen Buchhalterin. Rike ihrerseits ist plötzlich schlank, was man ja auch erst einmal spielen muss. Sozusagen nackt, ohne die Hilfe jenes Fatsuits, welches Wolke Hegenbarth ab Folge zwei von sieben für sich gepachtet hat.
"Es stimmt schon", sagt Theresa Underberg auf die Herausforderungen des Spiels im falschen Körper angesprochen, "weder Wolke noch ich wissen wirklich aus eigener Erfahrung, wie es ist, dick zu sein. Sie hat den Fatsuit. Bei mir sind es immerhin Locken und Makeup, die mir dabei helfen, in die Rolle der schlanken Rike zu schlüpfen." Dennoch scheint es, als habe Theresa Underberg das schwerere Los gezogen. Wie spielt man eine Dicke, die plötzlich nur noch die Hälfte ist? "Indem ich mich etwas linkischer bewege", verrät Theresa Underberg. "Weil sich Rike im neuen, dünnen Körper ja auch noch nicht richtig auskennt. Zum Beispiel hat sie früher nie hohe Schuhe getragen. Das muss sie jetzt - und benötigt dafür noch ein wenig Übung."
Wirklich mal eine dicke Schauspielerin zu besetzen - von denen es in Folge der Selektionsmechanismen der Branche wahrscheinlich tatsächlich nur sehr wenige gibt - diese Chance hat die Serie verpasst. Dennoch lobt Theresa Underberg "Humor und Emotionalität" ihrer ersten Primetime-Hauptrolle. Weil sie findet, "dass man beide Charaktere vor und nach dem Körpertausch verstehen und mit ihnen fühlen kann." Bis Mitte Juni dauerten die Dreharbeiten jener Entwicklungsgeschichte zweier Frauen, aus der die erschöpfte, aber glückliche Rike-Darstellerin Folgendes mitgenommen hat: "Den perfekten Körper gibt es nicht, zumindest nicht im objektiven Sinne. Natürlich kann jeder von uns ein Ideal im Kopf haben. Aber es ist doch tröstlich, dass dieses Ideal sehr unterschiedlich ausfällt." Dass es im Fernsehen quasi einen Nullbestand korpulenterer, junger Schauspielerinnen in Rollen gibt, die als attraktiv und selbstbewusst rüberkommen sollen, findet Theresa Underberg jedoch "wahnsinnig schade".
Abseits ihrer Rolle in "Es kommt noch dicker" hatte die blonde Hamburgerin mit den braun-grünen Augen allerdings nicht allzu viele Gelegenheiten, sich mit Körperbildern oder ihrer Nichterfüllung traumatisch auseinanderzusetzen. Dazu ist die 27-Jährige im klassischen Sinne zu attraktiv. Und das, obwohl sie ihre ersten darstellerischen Gehversuche - nach den Kinderspots - mit der Stimme unternahm. Mit 13 Jahren wurde Theresa Underberg Synchronsprecherin. Seit sie 14 ist, hat sie die Rolle der Anne in Enid Blytons Hörspielserie "Fünf Freunde" inne. Ursprünglich plante sie jedoch, nach dem Abi entweder als MTV-Moderatorin nach Stockholm in ihr Traumland Schweden zu gehen oder in Berlin Skandinavistik zu studieren. Stattdessen wurde es ein Hörfunk- und TV-Volontariat bei einem kleinen Privatsender in Trier. Erst eine Foto-Session mit ihrem älteren Bruder, der die Kamera bediente, endete mit einer erfolgreichen Bewerbung bei "Verbotene Liebe".
"Eigentlich war es immer schon mein Wunsch, Schauspielerin zu werden. Es war nur so, dass mir früher nach dem Abitur ein bisschen der Mut fehlte, es richtig anzugehen. Deshalb bewegte ich mich beim Fernsehen erst einmal hinter den Kulissen, um einen - wie der Volksmund so schön sagt - vernünftigen Beruf zu erlernen. Nach einer Sekunde vor der Kamera wusste ich aber, dass nichts anderes als eine Tätigkeit davor für mich in Frage kommt." Momentan läuft es gut für die nach ihrer Kölner Soap-Zeit nach Hamburg zurückgekehrte Schauspielerin, die über ihren Beziehungsstatus gern den Mantel des Schweigens hüllt. Zwischen "Verbotene Liebe" und "Es kommt noch dicker" spielte sie noch die Rolle der Stine in Matthias Schweighöfers Kinofilm "What A Man" und stand für "SOKO Köln" vor der Kamera. Nun ist erst mal Urlaub angesagt, ein paar Castings für neue Projekte hat sie schon hinter sich. Zeit zum Zurücklehnen also und stolz zu sein auf das letzte, so ereignisreiche Jahr. Ein Jahr im Leben des neuen Fernsehstars Theresa Underberg.
Eric Leimann








