Kino / Portraits

Einmal Freddie Mercury sein ...

Kate Beckinsale macht in "Total Recall" (Start: 23.08.) Colin Farrell das Leben schwer

Ursprünglich kommt Hollywood-Star Kate Beckinsale aus dem anspruchsvolleren Schauspielfach: Die 39-jährige Britin studierte französische und russische Literatur in Oxford und machte sich 1993 durch eine Rolle in Kenneth Brannaghs Shakespeare-Adaption "Viel Lärm um Nichts" einen Namen. Zu Weltbekanntheit verhalf der "Sexiest Woman Alive" (Esquire-Magazin, 2009) aber erst das Actiongenre, besser gesagt die "Underworld"-Saga. Regie führte dort wie auch jetzt beim Remake von "Total Recall" der Brite Len Wiseman - Beckinsales Ehemann seit zehn Jahren. Die Rollenvergabe, so viel will die kühle Schönheit verstanden wissen, habe mit ihrem Privatleben nichts zu tun.

teleschau: In "Total Recall" spielen Sie ein böses Mädchen. Sind Sie das im echten Leben auch gern?

Kate Beckinsale: Im echten Leben werde ich selten zum bösen Mädchen. Ich habe eine 13-jährige Tochter, ich muss also ein gutes Mädchen sein! (lacht)

teleschau: Also war der Film jetzt eine Chance, Ihre dunklen Seiten kennenzulernen?

Beckinsale: Bei diesem Projekt dachte ich auf der Stelle, dass das ein großer Spaß werden könnte. Weil meine Figur Lori Quaid ein psychotisches Eigenleben hat. Sie ist unerbittlich.

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teleschau: Wie viele der Stunts haben Sie selbst gedreht?

Beckinsale: Die meisten. Len mag es, so viel wie möglich mit den Schauspielern direkt zu drehen. Sein Leitspruch ist: Wenn die Versicherung das trägt, macht Ihr das selbst!

teleschau: Er ist also nicht der Typ Ehemann, der sich um Ihr Wohl sorgt und Sie von vornherein doubeln lässt?

Beckinsale: Nein (lacht)! Ganz schön unverschämt, oder nicht? Er glaubt, dass der Zuschauer merkt, wessen Gesicht er da sieht. So steht mehr auf dem Spiel.

teleschau: Wie war es denn für Sie, Colin Farrell vor den Augen Ihres Ehemanns zu küssen?

Beckinsale: Das war wirklich kein großes Ding. Hätte mein Mann uns so in einem Restaurant erwischt, hätte das wahrscheinlich Ärger gegeben. So aber war er darauf vorbereitet.

teleschau: Haben Sie am Set eine bestimmte Art, mit Ihrem Mann zu kommunizieren?

Beckinsale: Nur auf den üblichen Wegen. Und wenn wir doch mal voneinander irritiert sind, schreiben wir uns SMS, damit niemand anders hineingezogen wird. Niemand will einen Mann und seine Frau streiten sehen!

teleschau: Es muss trotzdem schwer sein, sich abends über die Arbeit auszulassen. Zum Beispiel darüber, wie schlimm der Regisseur heute war, oder?

Beckinsale: Nein, das würde ich natürlich nie sagen! Aber eine Frau, die zehn Jahre verheiratet ist, hat absolut das Recht, sich zu beschweren. Und tun Frauen das nicht eh die ganze Zeit?

teleschau: Hatten Sie während dieses Drehs denn oft Grund zur Klage?

Beckinsale: Bei diesem Film? Nein.

teleschau: Alles lief, wie Sie das wollten?

Beckinsale: Natürlich beschwere ich mich gerne, wenn ich Wunden am ganzen Körper habe. Die zeige ich dann Len und sage: "Schau, was Du mir angetan hast!" - und schicke ein Foto davon an meine Mutter, weil sie auf meiner Seite ist.

teleschau: Das klingt nicht so, als hätten Sie sich mit Jessica Biel um die besseren Actionszenen geprügelt.

Beckinsale: (lacht) Nein! Jessica war im Gegensatz zu mir voll in ihrem Element. Sie wurde dafür geschaffen, aus Gebäuden rauszuspringen, zu rennen und mit Sachen umherzuwerfen! Ich nicht. Und wann immer sie ihre Szenen drehte, stand ich im Bad und dankte Gott, dass ich die Kratzer gerade nicht abkriege!

teleschau: Im Vergleich zu Ihren männlichen Kollegen: Fühlen Sie sich in der Branche gleichberechtigt behandelt?

Beckinsale: Schreckliche Frauenfeindlichkeit habe ich noch nicht erlebt. Aber es ist anders, ich merke das schon. Meine Erfahrungen waren zwar immer sehr gut, aber Frauen sind schon deswegen benachteiligt, weil es deutlich weniger interessante Rollen für uns gibt. Männer verdienen tendenziell auch mehr.

teleschau: Demnach herrscht unter den Schauspielerinnen Ihrer Generation ein harter Wettbewerb?

Beckinsale: Bestimmt gibt es Rollen, die für die eine wie für die andere gut wären. Wir sind aber alle ziemlich isoliert voneinander. Andere Schauspielerinnen treffe ich nur selten. Das war eine der schönen Sachen an diesem Film: Gewöhnlich spielt in dem Genre nur eine Frau eine nennenswerte Rolle, ich war also froh, eine andere Frau an meiner Seite am Set zu haben. Ja, der Wettbewerb ist hart, für Frauen wie für Männer.

teleschau: In den meisten Ihrer Filme sind Sie die toughe Lady, die weiß, was sie will und wie sie mit Männern umgehen muss. Haben Sie auch zu Hause die Hosen an?

Beckinsale: Ich weiß nicht, ob Sie zugehört haben, aber ich habe eine 13-jährige Tochter! (lächelt) Wie könnte ich der Boss sein, wenn ein Teenager im Haus ist?

teleschau: Darf Ihre Tochter denn Ihre Filme sehen?

Beckinsale: Klar darf sie. Aber es ist verdammt schwer, sie dazu zu bringen, sich einen Film anzuschauen, in dem ich mitspiele. Sie mag "Viel Lärm um Nichts" und auch meine TV-Version von "Alice im Wunderland". Wahrscheinlich, weil ich zu der Zeit schwanger mit ihr war und sie also auch darin vorkommt. "Underworld" würde sie nie sehen wollen, davor hat sie zu viel Angst. Sagen wir: Sie ist nicht unbedingt die Erste, die meine Filme sehen will.

teleschau: Wäre die Schauspielerei was für sie?

Beckinsale: Ich glaube schon, neben sechs oder sieben anderen Berufen, die sich ein 13-jähriges Mädchen so vorstellt. Sie ist ein ziemlich interessantes Geschöpf. Ich bin gespannt, was Sie aus sich machen wird - und bezweifle, dass es das wird, was ich erwarte.

teleschau: Letzte Frage: In "Total Recall" pflanzt eine Maschine den Menschen Erinnerungen an Erlebnisse ein, die sie nie hatten. Was würden Sie sich aussuchen? Colin Farrell würde gerne mal Proximity-Flyer gewesen sein ...

Beckinsale: Oh, das hasse ich!

teleschau: Er auch, deswegen würde er es ja im wahren Leben nicht tun!

Beckinsale: Okay, hier ist meine Antwort: Ich würde gerne ein Konzert als Freddie Mercury spielen. Er war so ein großartiger Entertainer. Außerdem hatte ich noch nie einen Schnurrbart!

Fabian Soethof

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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