Musik / Backstage

No Sex, no Drugs, but Rock'n'Roll!

The Hives veröffentlichen "Lex Hives"

Der Rock'n'Roll folgt seinen eigenen Gesetzen. Eine Binsenweisheit? Nicht für die Garagen-Rocker The Hives. Mit ihrem neuen Album "Lex Hives" (zu deutsch: "Das Gesetz der Hives") wollen die Schweden ein neues Kapitel in ihrer Erfolgskarriere aufschlagen. Und um das nach fast 20 Jahren Bandgeschichte erneut zu schaffen, befolgt das Quintett tatsächlich eiserne Regeln. Das uralte Klischee von Sex, Drugs and Rock'n'Roll etwa wollen The Hives nicht bedienen, wie Nicholaus Arson (Gitarre), Chris Dangerous (Drums) und Dr. Matt Destruction (Bass) im Interview deutlich machen.

teleschau: Ihr neues Album heißt "Lex Hives". Gibt es innerhalb der Band denn Gesetze oder Regeln, die es zu befolgen gilt?

Nicholaus Arson: Ja, bei uns hat es immer schon tausende Regeln gegeben. Ansonsten hätten wir vermutlich auch gar nicht so lange durchgehalten.

teleschau: Was sind das genau für Regeln?

Nicholaus Arson: Das fängt damit an, dass wir als Band keine farbigen Klamotten tragen. Das sieht einfach scheiße aus. Der Albumtitel bezieht sich aber eher auf Naturgesetze. Darauf, dass uns die Schwerkraft auf dem Boden hält. Das "Lex Hives" beinhaltet zudem das, was uns als gute Band ausmacht und uns von anderen Gruppen abhebt.

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teleschau: Und was ist das genau?

Nicholaus Arson: Das hört man doch ganz eindeutig auf der Platte. (grinst)

teleschau: Mit anderen Worten: Sie können oder wollen das nicht konkretisieren.

Nicholaus Arson: Bei jedem Album versuchen wir das zu tun, was wir am besten können - nämlich energetische Rockmusik zu produzieren. Unsere Version von Punkrock. Innerhalb der Band herrscht diese ganz besondere Energie, und die wollten wir bei diesem Album ganz besonders einfangen. Dazu haben wir wahnsinnig viele Mikrofone aufgestellt, sodass man nicht nur jedes Instrument hört, sondern auch sämtliche Nebengeräusche, jeden Atemzug. Man hat bei dieser Platte fast den Eindruck, jeden Herzschlag von uns hören zu können.

teleschau: Ihre Leidenschaft beim Musikmachen hört und sieht man. Gibt es noch andere Dinge, für die Sie eine ähnlich starke Passion besitzen?

Nicholaus Arson: Ja, und ich halte es für immens wichtig, dass man neben der Musik noch etwas anderes hat, dass einem den Kopf wieder freipustet, wenn man wochenlang auf Tour oder im Studio war. Bei mir ist das, neben meiner Familie, vor allem der Sport: Hockey, Fußball, Laufen, Fahrrad fahren. Das erdet mich.

Dr. Matt Destruction: Ich habe einen Hund, einen schwarzen Labrador, den ich über alles liebe und mit dem ich mich viel und gerne beschäftige.

Chris Dangerous: Ich fahre Fahrrad, so oft ich kann. Aber wenn wir auf Tour waren, freuen wir uns alle auch immer wieder auf Schweden, schmeißen uns in die buntesten Klamotten, die wir kriegen können und genießen das ganz normale Leben.

teleschau: Waren Sie schon mal an dem Punkt, an dem Sie das Gefühl hatten, den Spaß und die Leidenschaft für die Musik verloren zu haben?

Nicholaus Arson: Natürlich, solche Situationen gibt es immer wieder. Aber selbst wenn Sex dein Hobby ist und du permanent mit deiner Frau schläfst, kommt irgendwann der Moment, an dem du sagst: "Schatz, lass uns heute einfach mal einen Tag aussetzen." (lacht)

Chris Dangerous: Aber das hält nie lange an. Unsere Shows sind sehr energetisch. Wir packen da immer alles rein, was wir haben. Aber das führt eben auch dazu, dass wir nach drei Tagen am Stück alle komplett im Arsch sind. Sobald wir jedoch wieder auf der Bühne stehen, sind wir voll da und spielen erneut, als ob es kein Morgen gäbe. Das gibt uns immer wieder Kraft. Der anstrengendste Teil des Ganzen ist eigentlich das viele Umherreisen.

Nicholaus Arson: Das Reisen ist Fluch und Segen zugleich. Durch das Touren kommen wir an all die tollen Orte, treffen interessante Leute und bekommen ständig neue Eindrücke. Aber morgen müssen wir zum Beispiel um fünf Uhr morgens aufstehen, um wegen eines Konzerts nach Portugal zu fliegen, und spielen dort erst nach Mitternacht. Die Tage werden dadurch unfassbar lang. Man wird müde, und wenn man permanent müde ist, bekommt man schlechte Laune - und dann wird es schwierig.

Chris Dangerous: Aber die Musik ist eben nicht nur unser Job, sondern auch unsere größte Liebe - und das machen wir uns in solchen Momenten vorübergehender Schwäche wieder bewusst: Wir haben die besten Jobs der Welt.

teleschau: Sie haben den Ruf, eine der besten Live-Bands der Welt zu sein. Wie schaffen Sie es denn, nach stundenlangem Abhängen im Backstage-Bereich wieder Höchstleistungen auf der Bühne zu bringen?

Chris Dangerous: Da hat jeder so seine Tricks. Ich bin Schlagzeuger und kann tagsüber manchmal meine Arme kaum bewegen, wenn wir am Vortag einen Gig hatten. Also renne ich am Folgetag manchmal permanent mit kalten Handtüchern um die Handgelenke herum. Aber wenn mal jemand Kopfschmerzen hat und selbst Tabletten nicht mehr helfen, dann muss er da durch. Man kann sich nicht einfach ins Bett legen und warten, dass die Kopfschmerzen verschwinden, wenn draußen das Publikum wartet.

Dr. Matt Destruction: Wenn man aber lediglich ein bisschen müde ist, helfen in der Regel ein paar Bier, ein Energy-Drink oder Kaffee, um wieder in Schwung zu kommen.

Chris Dangerous: Wir haben eben über Gesetze und Regeln gesprochen. Und eine wichtige Regel innerhalb dieser Band lautet: Du darfst keinen schlechten Tag haben. Es ist schlichtweg nicht erlaubt, herumzusitzen und zu jammern. Und wenn doch mal jemand am Boden ist, ist es die Pflicht der anderen Bandmitglieder, ihm schnellstmöglich wieder auf die Beine zu helfen. So funktioniert unser Bandgefüge. Seit nunmehr 20 Jahren.

Dr. Matt Destruction: Und eine andere wichtige Regel bei uns lautet: Egal, was passiert, höre niemals auf zu spielen. Das ist fast die wichtigste Regel von allen. Höre niemals auf!

teleschau: Wenn man auf der Bühne ein Energielevel erreicht wie Sie, dann kann es aber auch mal gefährlich werden, oder?

Chris Dangerous: Natürlich. Beim vorletzten Gig unserer letzten Tour kletterte unser Sänger Pelle während eines Songs ein Gerüst hoch und wollte danach auf die Bühne zurück. Dabei rutschte er ab, landete mit dem Rücken auf der Bühne und stieß sich heftig den Kopf. Das waren mehrere Meter. Eine Höhe, bei der er durchaus auch hätte sterben können. Wir spielten das Konzert aber noch zu Ende und sind danach mit ihm ins Krankenhaus gefahren. Er hatte eine Gehirnerschütterung.

Dr. Matt Destruction: Bei einer solchen Gehirnerschütterung soll man eigentlich bei vollkommener Ruhe im Dunkeln zu Hause sitzen und keine verdammte Rockshow spielen.

Chris Dangerous: Der Tourpromoter sagte später noch zu mir, dass ein guter Freund von ihm zwei Wochen vorher bei einem Konzert gestorben war, als dieser aus eineinhalb Metern stürzte. Wenn man so etwas hört, muss man kurz schlucken.

teleschau: Gab es schon viele solcher Vorfälle bei Ihnen?

Nicholaus Arson: Wir sind alle schon einmal von der Bühne gefallen und haben permanent mit den Berufskrankheiten eines Musikers zu kämpfen: Blasen an den Händen, abfallende Fingernägel und Muskelzerrungen.

Chris Dangerous: Kurz vor Beginn einer Show in Finnland bin ich mal ausgeraubt worden und bekam dabei eine fette Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Da musste ich auch ins Krankenhaus und meine Augen ausspülen lassen. Als ich dann beim Konzert hinterm Schlagzeug saß und anfing zu schwitzen, kam der ganze Scheiß zurück - das hat höllisch wehgetan. Ich versuchte, mir das Zeug aus dem Gesicht zu wischen, aber das funktionierte. Ich spielte das Konzert dann nahezu blind zu Ende. (lacht)

Nicholaus Arson: Aber wie lautet doch das alte Entertainer-Motto: "The Show Must Go On". Und das tut sie in der Regel auch. Wir haben wirklich nur ganz selten mal eine Show abgesagt.

teleschau: Über Rockbands existieren ja eine ganze Menge Klischees. Welches davon erfüllen The Hives am meisten?

Nicholaus Arson: Für uns stand die Musik immer an erster Stelle. Wir nehmen keine Drogen und sind auch nicht permanent von sexwilligen Mädels umgeben. Das alles hätte uns in unserem Kreativprozess gestört. Das war es uns nie wert. Wir haben uns beim alten "Sex, Drugs and Rock'n'Roll"-Klischee immer ausschließlich auf den Rock'n'Roll konzentriert.

teleschau: Wo wir gerade über Klischees sprechen: Die Deutschen gelten gemeinhin als diszipliniert, fleißig und humorlos. Amerikaner hingegen als patriotisch, prüde und ignorant. Welche Klischees gibt es über Schweden?

Chris Dangerous: Man sagt, unsere Frauen seien die schönsten der Welt. Aber das ist eigentlich kein Klischee. Das ist die Wahrheit.

Nicholaus Arson: Schweden gelten als stur.

Dr. Matt Destruction: Und als betrunken, sobald sie ihr Heimatland verlassen (lacht).

Nicholaus Arson: Das gilt für Deutsche, Briten, Holländer und Russen aber auch, oder?

Chris Dangerous: Und musikalisch sind die Schweden dafür bekannt, mit englischsprachiger Musik weltweit erfolgreich zu sein.

teleschau: Würden Sie sich als typische Schweden bezeichnen?

Nicholaus Arson: Ja, ich denke, wir sind in dieser Hinsicht ziemlich normal und entsprechen durchaus dem Bild typischer Schweden.

Dr. Matt Destruction: Allerdings sind wir überdurchschnittlich talentiert (lacht).

Nicholaus Arson: Wir sind tatsächlich stur und haben unseren musikalischen Weg manchmal auch mit Scheuklappen vor den Augen bestritten. Wir hätten aber auch niemals damit gerechnet, irgendwann einmal dort hin zu kommen, wo wir heute sind. Wir dachten immer, wir würden maximal drei Platten machen und uns dann auflösen. Aber letztlich haben wahnsinnig hart dafür gearbeitet, um dorthin zu kommen, wo wir heute sind. Was soll ich sagen: Wir sind einfach eine großartige Band! (lacht)

teleschau: Gibt es eine Überschrift, die Sie gerne mal über sich lesen würden?

Dr. Matt Destruction: The Hives erobern das Weltall!

Nicholaus Arson: The Hives haben die beste Platte in der Geschichte der Musik aufgenommen!

Chris Dangerous: The Hives haben den Weltfrieden erklärt!

Nicholaus Arson: Und zwar alles zur selben Zeit. Das wäre cool.

Daniel Schieferdecker

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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