Musik / Backstage

"Ich habe auch schon viel Mist geschrieben!"

Maroon 5 veröffentlichen "Overexposed"

"This Love", "She Will Ne Loved", "Makes Me Wonder" - Immer wieder hat es die kalifornische Band Maroon 5 mit ihren Songs auf Top-Positionen in den internationalen Charts geschafft. Ihren letzten Hit landeten Frontmann Adam Levine und Co. im vergangenen Jahr mit "Moves Like Jagger". Ihr Erfolgsrezept: Popmusik für die Masse. Davon lebt auch das neue Maroon-5-Album "Overexposed" (zu deutsch: "Überpräsent"). Worauf der Albumtitel anspielt, wie viel Selbstironie in der Band steckt, und warum man Adam Levine neben seiner Rolle als Castingshow-Juror bei der US-Ausgabe von "The Voice" bald auch in einer Horrorserie sehen kann, erzählt er im Interview.

teleschau: Herr Levine, wer ist der aktuelle King of Pop?

Adam Levine: (überlegt lange) Ich glaube, den gibt es gar nicht. Es gibt nur sehr viele Pop-Fans. Ich zum Beispiel bin ein Fan von Pop.

teleschau: Sie scherzten also nur, als Sie sich zuletzt selbst in einer Twitter-Nachricht nicht bloß als König, sondern gar als Kaiser des Pop bezeichneten.

Levine: Klar, das war nur ein Scherz.

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teleschau: Zumindest auf den Charts-Thron scheinen Sie es mit Maroon 5 abgesehen zu haben. Hat Ihr Verlangen nach kommerziellem Erfolg mit den Jahren stark zugenommen?

Levine: Am wichtigsten war es für uns immer, dass wir überhaupt noch dabei sind! Die durchschnittliche Erfolgsphase einer Band ist ja eher kurz. Von daher freuen wir uns einfach, wenn wir neue Höhen erreichen.

teleschau: Ihre derzeitige Dauerpräsenz in den Medien scheint Sie jedoch nicht nur zu freuen. Oder muss man den Titel des neuen Albums anders verstehen?

Levine: Der Albumtitel ist tatsächlich unsere Stellungnahme dazu, dass wir im Moment einfach überall sind. "Overexposed" passte einfach perfekt.

teleschau: Dabei möchte man meinen, dass gerade Sie das ständige Spotlight durchaus genießen. Nicht nur mit der Band, sondern auch als Casting-Jurymitglied. Sie sollen demnächst sogar in der TV-Serie "American Horror Story" zu sehen sein ...

Levine: Das stimmt. Wobei ich selbst nicht wirklich aktiv hinter dieser Rolle her war. Ich bekam einfach irgendwann das Angebot - und nahm es an. Das ist mal was ganz anderes, sowas habe ich bis jetzt noch nie gemacht. Mal sehen, wie es läuft.

teleschau: Ist es denn Ihr Wunsch, auch als Schauspieler erfolgreich zu werden?

Levine: Na ja, das wäre übertrieben. Musik mache ich ja schon mein ganzes Leben lang, als Schauspieler arbeite ich gefühlt erst seit fünf Minuten. Ich muss wohl einfach abwarten, was da noch auf mich zukommen wird.

teleschau: Nicht zuletzt ist es Ihre Berühmtheit, die Ihnen die Möglichkeit verschafft, sich auf verschiedenen Bühnen zu beweisen. Sie haben viele Jahre für diesen Ruhm gearbeitet. Denken Sie, Sie könnten überhaupt noch darauf verzichten?

Levine: Absolut! Ruhm ist für mich nebensächlich, und so geht es allen in der Band. Keiner von uns wollte unbedingt berühmt werden. Der Ruhm ist nur ein Nebenprodukt dessen, was wir eben machen. Und wir machen das, was uns Spaß macht - Musik.

teleschau: Die klingt auf Ihrem neuen Album noch gewollter für das Radio gemacht. Sollte sie das sein: Musik für die Masse?

Levine: Genau die wollten wir machen. Wir wollten Musik machen, mit der wir so viele Menschen wie möglich erreichen. Das wollten wir schon immer. Dieses Mal habe ich aber das Gefühl, dass wir unsere Kreativität voll ausgereizt haben.

teleschau: Machen Sie das Radio womöglich selbst lauter, wenn Maroon 5 gespielt werden?

Levine: (lacht) Nein. Ich höre auch ehrlich gesagt gar nicht so viel Radio. Wenn ich uns aber tatsächlich mal im Radio höre, gibt mir das schon einen Kick! Daran habe ich mich immer noch nicht gewöhnt.

teleschau: Ihr Erfolgsrezept sind Liedeslieder. Insofern überraschen Sie im Song "Payphone", wenn es heißt: "All those fairy tales are full of shit / One more fucking love song, I'll be sick". Gehen diese Zeilen nicht auch gegen Sie selbst?

Levine: Klar, genau darum ging es uns auch, und genau aus dem Grund haben wir das Album auch "Overexposed" genannt. Man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen und bei allem, was man macht, nie den Humor verlieren. Es ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Aber: Es ist auch die Wahrheit.

teleschau: Ist Selbstironie am Ende das Mittel für dauerhaften Erfolg im Pop-Geschäft?

Levine: Kann gut sein. Auf jeden Fall sollte man sich mit der Zeit Gedanken über neue Möglichkeiten machen, wie man die Leute dort draußen erreicht. Wenn man immer nur das Gleiche macht, werden sie sich irgendwann nicht mehr dafür interessieren. Wir versuchen, uns in dem Maß zu verändern, sodass uns die Leute auf unserer verrückten, mittlerweile zehnjährigen Reise weiter begleiten.

teleschau: Genug vom Schreiben und Singen von Liebesliedern haben Sie trotzdem nicht ...

Levine: Nein, überhaupt nicht. Ich liebe es nach wie vor, diese Songs zu schreiben und auch zu performen.

teleschau: Als Antrieb hierfür nannten Sie einmal Ihr ganz persönliches "emotionales Durcheinander". Hat das noch Bestand?

Levine: Das gehört einfach zum Leben dazu. Jeder ist doch irgendwie emotional durcheinander.

teleschau: Aber nicht jeder kann Songs darüber schreiben.

Levine: Es kommt immer darauf an, wie sehr man in sich hineinhorchen kann. Wie sehr man sich den eigenen Emotionen nähern und sie dann auch artikulieren kann. Ich glaube, das Schöne an unserer Musik ist, dass uns diese Annäherung gelingt. Wir beschreiben in unseren Songs echte Gefühle. Deshalb glauben und vertrauen uns die Leute auch. Uns geht es ja nicht darum, nur einen schnellen Hit zu landen.

teleschau: Können Sie sich denn jederzeit hinsetzen und diese Lieder schreiben?

Levine: Manchmal ja, manchmal nein. Ich habe auch schon viel Mist geschrieben!

Erik Brandt-Höge

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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