Wumms! Adam Lambert beginnt "Trespassing" mit einer klaren Ansage im dynamischen Titeltrack: "No trespassers, yeah, my ass" heißt es da. Unbefugte haben keinen Zutritt, Grenzen gelten für andere, er geht seinen eigenen Weg. Doch leider hält er sich auf seinem zweiten Album nur sehr bedingt ans eigene Credo. Denn nach dem Opener, der dem Queen-Hit "Another One Bites The Dust" deutlich, aber keineswegs uncharmant Tribut zollt, zieht es Lambert erst mal auf die Tanzfläche. Und da bleibt er eine ganze Weile zwischen ziemlich konventionellen Eurodance-Beats hängen.
Eine klare Grenze immerhin wird gezogen: In der ersten Hälfte des Albums tanzt man zu Elektrobeats, in der zweiten leidet man zu Elektrobeats. Wahrscheinlich wäre es etwas spannender, wenn nicht Partyhit auf Partyhit auf Partyhit und anschließend Elektroballade auf Elektroballade auf Elektroballade folgen würde. Aber auch unabhängig von der Titelfolge gibt es nur wenige Songs, die wenigstens mal ein bisschen aus dem Rahmen fallen. Und wenn, liegt das meist an guten Kollaborationen.
So war etwa Pharell Williams sowohl am Titeltrack als auch an "Kickin' In" beteiligt, in dem Lambert zu aufgedrehten Synthesizerklängen über die Freuden des Alkoholkonsums singt. Für "Shady" dagegen rekrutierte "Glambert", wie seine Fans den exaltierten Sänger gerne nennen, Disco-Veteran und Chic-Chef Nile Rodgers ("Le Freak"). Das Ergebnis ist ein cool angefunkter, schamlos lüsterner Beutezug durch zwielichtige Etablissements. Zu den Höhepunkten der zweiten Hälfte des Albums zählt die Ballade "Outlaws Of Love", die mit reduzierten Effekten vor allem Raum für Lamberts Stimme und durchaus vorhandene gesangliche Qualitäten lässt. Die kommen im Rest des Albums allerdings nur selten zum Tragen, zu oft lenken Elektro-Flitter und Zerreffekte ab.
Immerhin: Adam Lambert beweist Leidenschaft, wenn er selbst so uninspirierten David-Guetta-Songklonen wie "Never Close Our Eyes" ein bisschen Gefühl abtrotzt. Und auch im völlig verhallten "Underneath" klingt echte Emotion durch den Schmalz. Das kann allerdings auch am Text liegen: Da ist Lambert wirklich mutiger geworden und überschreitet ein paar Grenzen - zumindest für sein Heimatland, die USA. Er singt offen über sein Image als schwuler Sänger, darüber, nur als irrer Paradiesvogel seine Daseinsberechtigung erkämpfen zu können. Auch in "Outlaws Of Love" beklagt er die Ungleichbehandlung schwuler Paare. Aber er geht das Thema auch gut gelaunt an - wenn er etwa in "Kickin' In" über einen Dreier berichtet, der ihm in der Disco angeboten wird.
Es bleibt also durchaus Hoffnung, dass Adam Lambert seinen Worten bald Taten folgen lässt und ein grenzüberschreitendes Album abliefert - beim nächsten Mal.
Sabine Metzger
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | akzeptabel |
| CD-Titel | Trespassing |
| Bandname/Interpret | Adam Lambert |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Pop |
| Erhältlich ab | 18.05.2012 |
| Label | RCA |
| Vertrieb | Sony |
| Laufzeit | 54:03 |
| EAN Code | 0886919359329 |


