Luca Hänni hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern jetzt schon sicher. Der 17-Jährige ist der jüngste Gewinner von "Deutschland sucht den Superstar", den es in den neun Staffeln der RTL-Castingshow jemals gab. Gut, das ist vielleicht nur eine Randnotiz für seinen Wikipedia-Eintrag. Geschichtsträchtiger ist da vielleicht schon dieser Fakt: Sein Siegertitel "Don't Think About Me" ist der erste Nummer-Eins-Hit eines Schweizers seit 52 Jahren - damals toppte Vico Torriani die deutschen Charts mit dem Schlager "Kalkutta liegt am Ganges". Ob Hänni auch in Zukunft Musik- oder wenigstens Chart-Geschichte schreiben wird? Sein Debütalbum "My Name Is Luca" bringt darüber noch keinen Aufschluss.
Gerade mal drei Wochen lagen zwischen seinem Sieg bei "DSDS" und der Veröffentlichung dieser zwölf Songs. Auch aufgrund dieser, bei Casting-Gewinnern ja nicht unüblich kurzen Vorlaufzeit kann "My Name Is Luca" nicht mehr sein als ein Gemischtwarenladen: Es enthält sechs bekannte Titel, die der Schweizer bei "DSDS" präsentierte, dazu die Siegersingle und fünf weitere, neue Bohlen-Songs. Zumindest deren grundsätzliche Marschrichtung ist klar: Luca Hänni soll weiterhin als Mädchenschwarm verkauft werden, am liebsten tatsächlich ein "neuer Justin Bieber" werden.
Und: Das Potenzial dazu ist sicherlich zunächst vorhanden. Er ist kein verhaltensauffälliger Clown wie Vorjahressieger Pietro Lombardi, man muss keine tragische Hintergrundgeschichte für ihn zusammenstricken wie einst bei Mark Medlock. Nein, der Schweizer ist wohl tatsächlich der nette Junge von nebenan. Wenn er also auf Bohlen-Geheiß jetzt den Romantiker ("The Two of Us") geben darf, ewige Treue ("I'll Be There") und Hingabe ("I Will Die For You") schwört, dann wirkt das keinesfalls zu aufgesetzt.
Aber: Der richtige Ton will auch in solchen Songs getroffen werden. Singen kann Hänni, das steht außer Frage. Aber muss er das mit einem schmierigen Schmalz tun, der an Latino-Schönling Enrique Iglesias erinnert? Zu Billig-Beats wie bei "I Believe"? Das sollte er lieber nicht. Wie überhaupt auffällt: Mit den Coverversionen - Justin Biebers "Baby", "Use Somebody" von den Kings Of Leon, "Eiserner Steg" von Philip Poisel - können es die Bohlen-Songs nicht aufnehmen. Höhepunkt des Albums ist Hänni Interpretation von Ed Sheerans "The A Team", mit der er sich für die Top-Ten-Shows qualifizierte. Eine Akustikgitarre, Klavier, seine unverstellte Stimme - das reicht völlig aus, um zu überzeugen. Aber kann, will Bohlen ihm in Zukunft solche Songs in sein Geschichtsbuch schreiben?
Stefan Weber
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | akzeptabel |
| CD-Titel | My Name Is Luca |
| Bandname/Interpret | Luca Hänni |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Pop |
| Erhältlich ab | 18.05.2012 |
| Label | Polydor |
| Vertrieb | Universal |
| Laufzeit | 41:40 |
| EAN Code | 0602537033980 |


