Was machen heutzutage eigentlich Kreator? Vor fast 30 Jahren begann ihr Triumphzug, und auch im Ausland konnte die deutsche Band riesige Erfolge feiern und hatte maßgeblichen Einfluss am Gütesiegel "Thrash Made In Germany". Nun steht das neue Album "Phantom Antichrist" in den Regalen und wirft die Frage auf: Zurück zu den Wurzeln, stagnieren oder sich weiterentwickeln?
Ganz klar: sich weiterentwickeln. Nachdem sich Kreator 2001 mit "Violent Revolution" auf ihre alten Stärken - namentlich harte Gitarrenriffs, schnelles Stakkato-Drumming und ausufernde Melodiebögen - besinnen und ihre experimentelle Phase der 90er-Jahre spurlos hinter sich lassen konnten, überraschten die Mannen um Bandchef Mille Petrozza vier Jahre später mit dem Knüppler "Enemy Of God". Ein Album, das nicht nur ihre Fans in Verzückung bringen sollte, sondern auch Kreator-Kritiker gänzlich verstummen ließ. Die Erwartungshaltung an das 2009er-Album "Hordes Of Chaos" war dementsprechend hoch, konnte aber - vor allem was die etwas zu lahme Produktion und die auf zu viel Midtempo-abgestimmte Rhythmusarbeit anging - nicht vollends überzeugen. So liegen nun alle Hoffnungen auf den mittlerweile 13. Output der Band aus Essen.
Und ja, "Phantom Antichrist" ist genau das Brett von einem Album geworden, das Kreator zurück an die Speerspitze des Thrash Metals befördern könnte. Dabei schaffen die Ruhrpott-Urgesteine scheinbar mühelos den Spagat zwischen genretypischen und kompromisslosen Griffbrettspielereien sowie dem nötigen Gespür für großartige - fast schon epische - Songstrukturen. Der Opener "Mars Mantra + Phantom Antichrist" gibt der Platte die Marschrichtung vor, dass choralartige "From Blood To Fire" mit seinem derben Nackenbrecher im letzten Drittel dürfte live zum Gassenhauer werden. Und der letzte Song "Victory Will Come" zeigt, dass die Harmonielehre nicht spurlos an dem Quartett vorbeigegangen sein kann. Die Produktion des schwedischen Produzenten Jens Bogren (Opeth, Amon Amarth) ist druckvoll und transparent zugleich, dabei aber nie unnötig aufgeblasen oder gar harmlos müde.
Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch versehen, findet sich immer wieder Zeit für hymnische Parts und ausgiebige Gitarrensoli. Gerade diese Mischung macht den Reiz von "Phantom Antichrist" aus: Durch die geschickte Verknüpfung von behutsamen Intro-Licks, symphonischen Refrains und brachialen Riff-Orkanen ist über die komplette Laufzeit des Albums Abwechslung geboten - und zwar auf einem so hohen Level, dass man sich unweigerlich fragen muss, wie Kreator in Zukunft "Phantom Antichrist" noch toppen möchten.
Ben Hiltrop
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | ausgezeichnet |
| CD-Titel | Phantom Antichrist |
| Bandname/Interpret | Kreator |
| Genre | Hard&Heavy |
| Genre | Thrash Metal |
| Erhältlich ab | 08.06.2012 |
| Label | Nuclear Blast |
| Vertrieb | Nuclear Blast |
| Laufzeit | 45:18 |
| EAN Code | 0727361258825 |


