Casting-Pop-Sternchen stellt man sich irgendwie anders vor. Onita Boone ist kein staunäugiges junges Ding, das mit viel Talent und noch mehr Naivität durch irgendeine Sendung nach oben stolpert. Talent hat sie, klar, und zwar reichlich. Aber naiv ist sie mit ihren 47 Jahren sicher nicht mehr. Die US-Amerikanerin, die der Liebe wegen in Köln hängen blieb, hat bereits einiges an Erfahrung im Musikgeschäft: Sie stand als Backgroundsängerin unter anderem für Whitney Houston, Mariah Carey und George Michael auf der Bühne und schrieb Songs für Mary J. Blige sowie En Vogue. Und sie gewann Ende Mai die SAT.1-Castingshow "The Winner is ..." - das allerdings quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die Quoten waren miserabel. Mit ihrem Debütalbum "Onita" möchte Boone jetzt mehr Menschen erreichen. Doch dabei stellt sie sich selbst ein Bein.
Schon der Opener "I Know" ist gleich der erste Stolperstein. Das entspannte Stückchen verlangt keine gesanglichen Höchstleistungen von Boone - bezeichnend die Textzeile "We're just having some fun": Es ist ein angenehmes Geplänkel, das sich hier entfaltet. Nicht weniger, aber ganz bestimmt auch nicht mehr.
Und es setzt den Ton für den größten Teil des Albums: Nur selten kann Boone mit ihren durchaus vorhandenen und absolut respektablen gesanglichen Fähigkeiten so richtig glänzen. Die meisten Stücke singt sie einfach glatt und ein bisschen gebremst runter, sei es nun das im modernen Retrosound daherkommende "I'll Carry You", das loungige "Joined" oder das mit Handclaps, Kirchenglocken, Streichern und Backgroundvocals opulent ausgestattete "Sugarfree". Alles fließt durchaus angenehm, aber auch völlig konsequenzfrei am Hörer vorbei. Die perfekte Hintergrundmusik für ein spätes Sonntagsfrühstück mit weich gekochten Eiern.
Erst am Ende des Albums horcht man ein erstes Mal wirklich auf: In "Let The Funk Come Out" gibt Boone ihrer Stimme endlich Auslauf - und die nimmt die Gelegenheit dankbar an, präsentiert sich nicht nur in verschiedenen Lagen, sondern sogar in verschiedenen Farben. Es folgt das bluesige "25 To Life", in dem sie mit einem gehörigen Maß Coolness und begleitet von einer Mundharmonika eine grausam gescheiterte Beziehung rekapituliert. Völlig aus dem Rahmen fällt der letzte Song. "Pay" beginnt schon rockig, und wenn Onita Boone dann "Pay Attention!" fordert, tut sie das so kraftvoll, dass man kaum eine andere Wahl hat als zu gehorchen.
Genau hier zeigt sie, welchen Unterschied ihre Stimme machen kann: Der vollkommen konventionelle Song wird dank der akustischen Arschtritte, die sie hier plötzlich verteilt, tatsächlich ein Hinhörer. Schade nur, dass man sich, um bis an diesen Punkt zu kommen, durch ein Album voller belanglosem Klangkrempel hören muss.
Sabine Metzger
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | akzeptabel |
| CD-Titel | Onita |
| Bandname/Interpret | Onita Boone |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Pop |
| Erhältlich ab | 10.08.2012 |
| Label | The Winner Is - UDP |
| Vertrieb | Universal |
| Laufzeit | 71:39 |
| EAN Code | 0602537106042 |


