Musik / CD

Bonaparte: Sorry, We're OpenGanzheitlich geöffnet

Jetzt sind sie endgültig aufgestiegen in den deutschsprachigen Popdiskurs-Himmel. Nein, Bonaparte sangen beim ersten Hinhören bisher keine allzu verkopften Texte, sie singen ja nicht mal auf Deutsch. Aber die Berliner um den Schweizer Tobias Jundt, die in der Beschreibung dessen, was auf ihren zwei ersten Alben "Too Much" und "My Horse Likes You" und auf den bespielten Bühnen passierte, gerne als Kollektiv umrissen wurden, befinden sich mit ihrem neuen Album "Sorry We're Open" in bester Gesellschaft. Bonaparte schließen zu den großen künstlerischen Selbstinszenierern zwischen Elektro-Pop und Indie-Rock auf - und kommen mitten bei sich selbst an.

"I should have burnt Berlin down", sprechsingt Jundt in der ersten Single "Quarantine" (feat. Housemeister), zitiert Leonard Cohen ("First I take Manhattan ...") und wirft schon damit all das an die Wand, was Bonaparte 2012 ausmacht: Spaß an der Freude von innen, Referenzwahnsinn von außen. Diese Rezeption wiederum dürfte vor allen Dingen dem Status ihres Labels geschuldet sein. Staatsakt, das wissen nicht nur die Berliner Szenegänger, ist das Ein-Mann-Unternehmen von Die-Türen-Sänger Maurice Summen, auf dem er nicht bloß seine eigene Band, sondern auch Fein- und Freigeister wie Ja, Panik, Christiane Rösinger und Die Sterne veröffentlichen. Aus diesem Rooster stachen Bonaparte mit ihrem Papageiendasein schon immer heraus - jetzt, mit "Sorry, We're Open" und nachdem sogar Die Ärzte bei einem letztjährigen Geheimkonzert als Bonapartes Vorband auftraten, setzen sie ihm die Krone auf.

Ihren Club-Hit hatten sie mit "Anti Anti" vor vier Jahren schon geschrieben. Heute dilettieren sie sich im Titeltrack durch Spaghettiwestern mit Mariachi-Trompete, besingen auf Französisch und Englisch die Gitarre als Waffe ihrer Wahl. Sie frönen in "Manana Forever" ihrem Image als hedonistische Bohéme, antizipieren in "A Little Braindead" Franz Ferdinands Alex Kapranos und erinnern an deutsche New Wave-Vorgänger wie Robocop Kraus. Vor allem aber trauen sie sich trotz ihrer Rockband-Attitüde noch mehr Elektronik als schon auf "My Horse Likes You" - was in Kombination mit ihrem gewohnt analogen Rumpelsound einen so erfrischenden wie eigenen musikalischen Gegensatz erzeugt. Und siehe und höre da: Sogar Deichkind geben sich im Featuretrack "Alles schon gesehen" die Ehre, texten dort aber leider nur routiniert nach dem "Leider geil"-Frage-Antwort-Prinzip.

Und die Längen- und Breitengrade, nach denen drei Songs, zum Beispiel "40°42'48.46 N 73°58'18.38 W", unaussprechlich benannt sind? Die Suchmaschine im Internet verrät: Die markieren offenbar Williamsburg Bridge, den Hamburger Hafen sowie die Datumsgrenze im Südpazifischen Ozean östlich von Neuseeland . Hat aber vielleicht auch in Wahrheit nichts zu sagen. Und dürfte in Clubs nach ein paar Bieren und Shots so oder so gehörig zünden.

Bonaparte auf Deutschland-Tournee:

25.10., Bremen, Schlachthof

26.10., Hannover, Capitol

27.10., Dresden, Alter Schlachthof

28.10., München, Kesselhaus

02.11., Würzburg, Posthallen

04.11., Karlsruhe, Substage

13.11., Köln, Live Music Hall

14.11., Dortmund, FZW

16.11., Frankfurt, Union Halle

17.11., Leipzig, Werk 2

Fabian Soethof

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelSorry, We're Open
Bandname/InterpretBonaparte
GenreRock/Pop
GenreIndie-Rock/Elektro-Pop
Erhältlich ab17.08.2012
LabelWarner
VertriebWarner
Laufzeit48:13
EAN Code5053105356324
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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