Viele Online-Rollenspiele haben in den letzten Jahren versucht, "World of Warcraft" vom Genre-Thron zu stoßen - ohne Erfolg. Selbst dem mächtigen Herausforderer "Star Wars: The Old Republic" laufen nach gelungenem Start in Scharen die Abonnenten davon: Von 1,7 Millionen Spielern kurz nach dem Start sind derzeit gerade noch 1,3 Millionen übrig, weshalb sich Publisher EA und Betreiber Bioware genötigt sahen, das "Krieg der Sterne"-Spektakel für bis zu einem bestimmten Level als "Free-to-Play"-Titel anzubieten. Ein denkbar schlechtes Umfeld also für noch ein Online-Rollenspiel. Dennoch wagt Frogster Interactive mit "Tera" den Versuch.
Der Fernost-Import ist auf den ersten Blick ein Allerwelts-Online-Rollenspiel mit Figuren, die den Fantasien heranwachsender Asiaten entsprungen sein könnten. Alles läuft hier nach geregelten Genre-Bahnen - von der Erstellung des Wunschhelden aus sieben Völkern und acht Charakterklassen über das Erfüllen immer gleich gestrickter Aufträge bis zum Ausbau der eigenen Fähigkeiten und Ausrüstung.
Dennoch versprüht "Tera" jede Menge Charme. Das mag zum einen der traumhaft schönen Präsentation geschuldet sein. Dank der verwendeten Unreal Engine 3 strotzen Helden, Landschaften und mitunter riesengroße Monster nur so vor Details. Zum anderen bietet es ein actionbetontes Kampfsystem, das Begegnungen mit allerlei gefährlichen Viechern nicht zu schnöden Klickorgien mit reiner Statistikberechnung im Hintergrund macht. Dass sich "Tera" auch mit Gamepad spielen lässt, spricht Bände. Hier zählen wie bei einem Action-Adventure nur "echte" Treffer - sprich: Ein Monster erleidet nur dann Schaden, wenn es auch wirklich vom Schwert oder vom abgeschossenen Pfeil des Helden berührt wird. Auch Heiler müssen mitunter genau zielen, um einen Begleiter vor dem Exitus zu retten. Im Umkehrschluss bedeutet das auch: Gegnerischen Attacken sollte man tunlichst ausweichen.
Dadurch dauern die Kämpfe in "Tera" im Vergleich zu anderen Online-Rollenspielen etwas länger, sind aber auch wesentlich abwechslungsreicher und fordernder. Vor allem, wenn man den ersten Boss-Brocken begegnet, die sich nur mit viel Mühe, Zeit und Konzentration besiegen lassen. Auch im Alleingang, wenn's nötig ist. Aber das Gruppenerlebnis steht klar im Vordergrund und wird mit zusätzlichen Boni und Erfahrungspunkten belohnt.
Ohnehin nimmt "Tera" erst recht spät Fahrt auf. Mit dem Erreichen von Stufe 20 werden zahlreiche Möglichkeiten freigeschaltet, die Fähigkeiten des eigenen Helden durch Glyphen zu individualiseren. Auch einem Handwerk lässt sich dann nachgehen.
Eine letzte Besonderheit: "Tera" besitzt ein politisches System. Mitte Mai wurde es aktiviert und ermöglicht die Wahl eines sogenannten Vanarchen in den einzelnen Provinzen. Der darf beispielsweise den Steuersatz anheben oder Spezialhändler aktivieren, benötigt dafür aber auch Politikpunkte, die er durch bestimmte Aktionen erhält.
Fazit: Wer dem fernöstlichen Figurendesign etwas abgewinnen kann, bekommt mit "Tera" ein altmodisches und innovatives Online-Rollenspiel zugleich, das technisch kaum Schwächen hat, aber auch keine spielerische Designoffenbarung ist.
Bernd Fetsch
| Game | |
|---|---|
| Spielname | Tera |
| Hersteller | Bluehole Studio |
| Vertrieb | Ubisoft |
| Genre | Rollenspiel |
| Erhältlich ab | 03.05.2012 |
| Preis | Ca. 50 Euro |
| EAN Code | 3307215628669 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Multiplayer | (WWW) |
| Sonstiges | zusätzliche Abo-Gebühren |
| Bewertung Grafik | gut |
| Bewertung Steuerung | gut |
| Bewertung Sound | gut |
| Bewertung Spielspass | gut |
| Bewertung Gesamt | gut |
Erhältlich für:
PC













