Games / Spieletests

SpelunkyZufall, Frust und heiße Blondinen

Mit dem über "Xbox Live" erhältlichen Download-Titel "Spelunky" von Derek Yu feiert eine längst vergessene Spielesparte Wiederauferstehung: das bockschwere Profi-Jump&Run. Garantiert nur für Spieler mit Nerven wie Drahtseilen, die "Super Meat Boy" zum Frühstück verspeist haben. Ehrlich.

Kurze Zeitreise ins Jahr 1988: Firebird veröffentlicht seinen Jump&Run-Hit "Black Lamp" für C64, ZX Spectrum, Amiga und Atari ST. Hofnarr Jack hüpft durch einen wunderschön gepixelten Fantasy-Kosmos, um mit der Macht der Magie und seines Hosenbodens Kobolde, Drachen und anderes Märchen-Getier zu erledigen. Spielehistorisch betrachtet ist "Black Lamp" ein wichtiger Evolutionsschritt bei der unvermeidlichen Verschmelzung von Hüpferei und Action-Adventure, aber Ende der 80-er ist es nur eines von unzähligen bockschweren Jump&Runs: Spiele, die - mal mit, mal ohne prominente Lizenz im Namen - ganze Heerscharen gestählter Bildschirm-Akrobaten fast in den Wahnsinn treiben.

Mittlerweile gehört das Genre den Gelegenheitsspielern: Springfidele Abenteuer wie die von Mario oder Rayman werden entwickelt, um von jedem verstanden zu werden. Die endlosen Level-Wiederholungen und von Tobsuchtsanfällen geprägten, durchzockten Nächte, die für das einstige Frustgenre mal so typischen waren, sind heute fast vergessen.

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Indie-Entwickler Derek Yu kann sich offenbar noch ganz gut daran erinnern: Er lässt diese Ära des virtuellen Springvergnügens mit seiner Schatzsuche "Spelunky" wieder aufleben - erstmals 2008 für Windows-PCs.

Jetzt gibt's die Stollenstöberei in einer deutlich geschönten und effektvolleren Version für Xbox Live Arcade: Als Abenteurer mit einer gewissen Ähnlichkeit zu Indiana Jones hüpft der Spieler durch unzählige, zufallsgenerierte Levels. Die werden von putzig animiertem Comic-Getier wie Schlangen und Fledermäusen bewohnt - allesamt so hinterhältig wie möglich platziert und herrlich aggressiv programmiert.

Was die endlose Suche nach Goldbarren, Klunkern und befreienswerten, hübschen Blondinen so knackschwer macht, ist aber vor allem der geizige Umgang mit Reserveleben und Rücksetzpunkten. Oder genauer: Es gibt keine! Wer hier in eine fiese Stachelfalle plumpst oder von gemeinem Getier trotz umfangreichen Waffenarsenal verschlungen wird, der kommt nicht mehr zurück - vielmehr wird er kurzerhand in einen neu zusammen gewürfelten Level strafversetzt. Ergo: Knifflige Stellen können nicht auswendig gelernt und geübt werden, weil sich das Levellayout jedes mal aufs Neue zusammensetzt.

Das Resultat ist ein wunderschön gestaltetes Revival eines in Vergessenheit geratenen Jump&Run-Gefühls: "Spelunky" lässt es perfekt auf- und hochleben - von der possierlichen Zeichentrick-Grafik bis zum C64-artig schmetternden Digi-Soundtrack fühlt sich alles angenehm authentisch an. Das Tückische dabei: Die meisterlich präsentierte Erinnerung an diese Epoche gefällt aber nur so lange, bis der Frust über die Lust siegt. Vielleicht doch lieber ein entspanntes Ründchen mit Mario und Rayman?

Robert Bannert

Game
SpielnameSpelunky
HerstellerMossmouth
VertriebMicrosoft
GenreJump & Run
Erhältlich ab04.07.2012
Preisca. 15 Euro
EAN Code1234567890123
SchwierigkeitFür Profis
Alterab 6 Jahren
Multiplayer2-4
Bewertung Grafikbefriedigend
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundbefriedigend
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtbefriedigend

Erhältlich für:
Xbox 360

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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