Games / Spieletests

DeadlightRastlos in Seattle

Kein "Summer of Arcade" ohne Silhouettenspielchen: Nach "Limbo" und "Insanely Twisted Planet" (2011) scheint in diesem Jahr das düstere "Deadlight" das Glanzlicht der Xbox-360-exklusiven Gegenveranstaltung zum Sommerloch zu werden. Der Überlebenstrip durchs verwüstete Seattle bildet ein überraschend rätsellastiges Kontrastprogramm zur sonst üblichen Schießbude im Falle einer Zombie-Apokalypse. Für den rund 15 Euro teuren Download-Titel haben sich ehemalige Entwickler von "Castlevania: Lords of Shadow" und "Diablo 3" zusammengetan.

Die Welt ist in den 80-ern untergegangen - und Randall Wayne gehört zu den wenigen Überlebenden. In der Westküstenmetropole Seattle macht er sich auf die Suche nach seiner Familie und einer vermeintlich sicheren Zuflucht vor den "Schatten": Menschen, die von einem mysteriösen Virus in Untote verwandelt wurden.

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So viel vorweg: Der ehemalige Ranger wird nur im Notfall zu Feuerwehraxt, Pistole und später auch zur Schrotflinte greifen, um sich gegen die schlurfenden Frischfleischfanatiker zur Wehr zu setzen. Das liegt zum einen an mangelnder Ausdauer und rarer Munition. Zum anderen daran, dass sich viele Auseinandersetzungen mit etwas Geschick und Köpfchen komplett vermeiden lassen - etwa, indem man die nicht allzu clever agierenden Schatten scharenweise in eine tödliche Falle lockt oder wie Lemminge in einen Abgrund purzeln lässt.

Im Kern ist "Deadlight" - ähnlich wie "Limbo" oder das alte "Prince of Persia" - eher eine 2D-Knobelei mit eingestreuten Action- und Sprungeinlagen denn blutiger Überlebenskampf. Die meiste Zeit über geht's rastlos von links nach rechts durch eine lineare Abfolge von Räumen und offenen Bereichen, wobei Entwickler Tequila Works tief in die optische Trickkiste greift: Während der Vordergrund mit all seinen relevanten Figuren, Plattformen und Gegenständen pechschwarz erscheint, erstrahlt die Welt dahinter in gleißendem Licht und hellen Farben, um einen ungewöhnlichen Verfremdungseffekt zu erzielen.

Rund drei Stunden hüpft Randell vor dieser Kulisse von Geländer zu Geländer, klettert über Mauern und an Leitern empor, durchbricht Türen mit einem herzhaften Tritt, hangelt sich an Seilen entlang, setzt Generatoren und Mechanismen in Gang, dreht den Schatten eine lange Nase und hält dabei immer wieder nach verstecken Extras Ausschau. Mal wird ein gutes Auge mit einem Verbandskasten, mal mit Tagebuchseiten, Fotos und anderen persönlichen Gegenständen von verstorbenen oder geflohenen Bewohnern belohnt, die einen tieferen Einblick in die Geschichte gewähren.

Die Neugier auf deren Ausgang lässt Xbox-360-Spieler ebenso wenig los wie die gelungene Inszenierung inklusive schwermütigem Soundtrack, guter Synchronsprecher und surrealer Traumsequenzen. Allein gelegentliche Spießroutenläufe, in denen Randell von einem Hubschrauber beschossen wird oder aus einer von Schatten überrannten Militärbasis flieht, strapazieren die Geduld über Gebühr. Wer hier nicht mit perfektem Timing über Hindernisse springt, über Schrägdächer rutscht und Zäune überwindet, segnet im Akkord das Zeitliche und wird nach kurzer Ladepause an einen Kontrollpunkt vor der Verfolgungsjagd ausgesetzt.

Fazit: Die Silhouettenoptik funktioniert auch bei "Deadlight" und macht aus einem spielerisch konservativem Genremix ohne nennenswerte Innovationen ein atmosphärisch packendes Erlebnis. Wer "Limbo" schon hat, darf mehr als nur einen Blick risikieren. Alle anderen sollten sich lieber erst den Überraschungshit aus dem Jahr 2010 herunterladen.

Gerd Hilber

Game
SpielnameDeadlight
HerstellerTequila Works
VertriebMicrosoft
GenreAction-Adventure
Erhältlich ab01.08.2012
Preisca. 15 Euro
EAN Code1234567890123
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 16 Jahren
Multiplayernein
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtgut

Erhältlich für:
Xbox 360

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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