Games / Reportage

Stattlich statt niedlich

Nintendo bringt am 28. Juli eine XL-Version der 3DS-Konsole auf den Markt

Die Miniaturisierung hat Pause - zumindest im mobilen Bereich. Die Bildschirmdiagonalen von Smartphones wachsen ungehemmt, die Übergänge zum Tablet-PC sind fließend. Ein Trend, dem sich auch portable Spielekonsolen nicht entziehen können: Sonys PlayStation Vita besitzt bereits ein fünf Zoll großes Display - und bietet damit deutlich mehr Schauwerte als der 3D-fähige Konkurrent aus dem Hause Nintendo. Doch nun ziehen die Japaner nach: Am 28. Juli erscheint eine XL-Version des 3DS, die viele Kritikpunkte am "alten" Modell entkräftet - und neue Angriffsflächen schafft.

Der Hinweis auf der Verpackung des rund 190 Euro teuren 3DS XL ist unschwer zu übersehen: "90 Prozent größere Bildschirme" steht da. Und damit man den Kunden vom satten Plus gegenüber der ersten 3DS-Generation überzeugen kann, druckte Nintendo gleich noch ein Vergleichsbild dazu. Das verblasst jedoch, wenn man beide Geräte aufgeklappt in Händen hält: Da wirkt es eher so, als sei das 3DS-Küken endlich erwachsen geworden - ohne allerdings sperrig oder klobig zu sein.

In nackten Zahlen gesprochen: Die Diagonale des oberen 3D-Schirms wuchs von 3,53 Zoll (8,9 Zentimeter) auf 4,88 Zoll (12,4 Zentimeter), der untere Touchscreen wurde von drei Zoll (7,62 Zentimeter) auf 4,18 Zoll (10,62 Zentimeter) gestreckt. Allerdings behielt Nintendo die Auflösung von 800 mal 240 Pixel bei. Das hat zur Folge, dass manche 3DS-Spiele auf dem XL etwas grober wirken. Gleichzeitig veröffentlicht Nintendo mit "New Art Academy" eine Mal- und Zeichensoftware, die von der Größe der Bildschirme maßgeblich profitiert.

mehr Bilder

Mit den Ausmaßen stieg allerdings auch das Gewicht: Der 3DS XL bringt 337 Gramm auf die Waage - fast ein Drittel mehr als das Vorgängermodell mit seinen 234 Gramm. Ein Großteil scheint dabei auf den Akku zu entfallen. Der hält beim Spielen nun fünf bis sechseinhalb Stunden durch, DS-Titel können gar zehn Stunden lang gezockt werden. Das alte Modell brachte es gerade einmal auf dreieinhalb bis vier Stunden.

Allerdings traf Nintendo auch einige absurde Entscheidungen bei der Neuauflage: Zwar liegt dem XL eine vier Gigabyte große SD-Karte bei, auf der sich Fotos, Videos und Downloads aus dem eShop speichern lassen. Um jedoch den Verkaufspreis niedrig zu halten, wurde am Netzteil gespart. Ladekabel (ca. 10 Euro) oder Ladestation (ca. 20 Euro) müssen also separat erworben werden. Besitzern von Vorgängermodellen wie dem DSi, DSi XL oder 3DS mag das egal sein - sie können ihre Netzteile weiterverwenden. Neukunden müssen jedoch in den sauren Apfel beißen.

Darüber hinaus fehlt dem XL ein zweiter Analogstick, wie ihn Nintendo erst kürzlich mit dem "Schiebepad Pro" als Hardware-Erweiterung für das 3DS lieferte. Stattdessen wird es zu einem späteren Zeitpunkt eine externe Hardware-Erweiterung namens "Circle Pad Pro XL" nachgeliefert.

Nichtsdestotrotz scheint der 190 Euro teure XL gegenüber dem "normalen", rund 170 teuren 3DS die bessere Wahl zu sein - nicht nur wegen seiner Größe. Aufgrund der matten Plastikoberflächen wirkt die neue Konsole deutlich wertiger und zieht Fingerabdrücke nicht mehr magisch an. Darüber hinaus leistete Nintendo viel Feinarbeit: Der Stylus ist nun auf der rechten Geräteseite untergebracht und flott zu erreichen. Der 3D-Schieberegler und der Analogstick besitzen einen fühlbaren Widerstand. Und die "Select"-, "Home"- und "Start"-Buttonleiste unterhalb des Touchscreens besteht nun aus echten Knöpfen. Das Alleinstellungsmerkmal der Nintendo-Konsole - die Wiedergabe von 3D-Inhalten ohne Brille - wurde indes kaum verbessert.

Tief beeindruckt ist man allerdings von den Zielen Nintendos: Nachdem der 3DS mit 19 Millionen weltweit verkauften Geräten endlich in der Gewinnzone angekommen ist, plant der finanziell angeschlagene Unterhaltungsriese binnen kürzester Zeit weitere 18,5 Millionen Hosentaschenkonsolen an den Mann zu bringen. Neue, zugkräftige Spiele wie "New Super Mario Bros. 2", "Professor Layton" sowie "Luigi's Mansion: Dark Moon" und "Paper Mario: Sticker Star" sollen dabei maßgeblich helfen.

Gerd Hilber

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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