Um Zahlen ist man nicht verlegen: Zum 30. Mal finden die Olympischen Sommerspiele seit ihrer Wiederbelebung 1896 statt. Rund 10.500 Athleten aus über 200 Ländern werden innerhalb von 17 Tagen insgesamt 302 Entscheidungen in 26 verschiedenen Sportarten herbeiführen. Und ARD und ZDF haben sich vorgenommen, vom 27. Juli bis 12. August insgesamt rund 260 Stunden live von den Wettkämpfstätten in London zu berichten. Dauercamping vor dem Fernseher ist für Sportbegeisterte allerdings nicht zwangsläufig notwendig - sofern sie mobil surfen können: Noch nie spielte sich bei Olympia so viel im Netz ab wie in diesem Jahr.
Der Livestream ist mittlerweile schon eine Selbstverständlichkeit, nachdem von Fußball-WM und -EM über die Trauerfeier von Michael Jackson bis zur Hochzeit von Prinz William so ziemlich jedes Großereignis im Netz übertragen wurde. Doch ARD und ZDF legten das olympische Motto "Dabei sein ist alles" in Sachen Onlineausstrahlung äußerst penibel aus: Bis zu sechs Livestreams werden die beiden Sender unter sportschau.de/olympia beziehungsweise www.zdfsport.de an Wettbewerbstagen gleichzeitig anbieten. Die parallele Wiedergabe soll bei schneller Netzanbindung ebenso unproblematisch funktionieren wie das zeitversetzte on-demand-Angebot.
"Der Zuschauer als Programmdirektor" nennen die Öffentlich-Rechtlichen das Konzept, das das Olympiapublikum von den eigentlichen Fernsehübertragungen nahezu unabhängig macht: Statt sich darüber zu ärgern, dass nur kurz zum Wasserspringen der Männer geschaltet wird, während man sich ausgiebiger dem Stabhochsprung der Frauen widmet, können sich interessierte Zuschauer nun einfach den Webchannel mit der Übertragung ihrer Lieblingssportart suchen.
Der Computer ist gerade nicht verfügbar? Auch kein Problem, da "Sportschau" und "ZDF Sport" die Streams für Smartphone- und Tabletbesitzer auch auf ihren mobilen Seiten anbietet. Der Hinweis, dass für die Live-Berichte neben einem aktuellen Browser auch ein Flashplayer benötigt wird, muss Apple-Jünger nicht beunruhigen: Dank iOs-Streaming findet Olympia 2012 auch auf iPad und iPhones statt, versichert der zuständige NDR-Pressesprecher Ralf Pleßmann auf Nachfrage.
Wie ihre deutschen Übertragungspartner haben auch die britischen Veranstalter die mobilen Nutzer im Blick: Zwei kostenlose Smartphone-Anwendungen brachte das Olympische Komitee vor Beginn der Londoner Spiele heraus - zum einen die "Results"-App für Android und iOs, zum anderen die "Join in"-App, die auch Blackberry-Nutzer runterladen können. Während Erstere über Sportler, Zeitplan und Ergebnisse auf dem Laufenden hält, deckt das ältere "Join in"-Programm eher das Drumherum von Fackellauf bis Olympia-Party-Planung ab. Auffällig oft wird dabei weiterführend auf die zugehörige Homepage www.london2012.com verlinkt, die hinter sehr offiziell wirkender Fassade im "Join in"-Bereich einige Schätze verbirgt.
Dort lässt sich unter dem Punkt "Education" etwa noch eine liebevoll illustrierte Sammlung von Sportspielen aus aller Welt herunterladen, die den interkulturellen Austausch sportlich vorantreiben sollen. Der Navigationspunkt "Mascot" hingegen kennzeichnet die virtuelle Heimat des olympischen Maskottchens Wenlock und dessen Paralympics-Kollegen Mandeville: Die kleinen Stahlzyklopen erleben in kurzen Animationsfilmen Abenteuer, müssen in einfachen Online-Spielen schwimmen und Trampolin springen oder können mit wenigen Klicks eingekleidet werden. Erstaunlich, dass Wenlock bei diesem Aktivitätenpensum noch Zeit zum Twittern hat ...
Im Social-Media-Hub des IOC wird der Twitter-Account "iamwenlock" allerdings nicht geführt: Die Plattform hub.olympic.org ist Athleten vorbehalten. Die können dort ihre Twitter- oder Facebook-Seite aufnehmen lassen, um über die zentrale Anlaufstelle von den Fans schneller gefunden zu werden. Im "Top Followed Athlet"-Ranking belegt aktuell US-Basketballer LeBron James vor seinem Kollegen Kobe Bryant den Spitzenplatz, dahinter liefern sich die Tennisspieler Roger Federer und Rafael Nadal ein gewohnt heißes Match um Platz drei. Ehemalige Olympioniken haben in diesem Wettkampf übrigens auch Medaillenchancen - Muhammad Ali und Earvin Magic Johnson etwa laufen in Sachen Anhängerschaft noch so manchem Jungspund den Rang ab.
Annekatrin Liebisch











