Rund 50 Hebammen haben sich am Freitag vor dem
Gesundheitsministerium in Berlin versammelt und die schlechten
Arbeitsbedingungen in ihrem Beruf angeprangert.
Unter dem Slogan "wertvoll, aber nicht
wertgeschätzt" forderten die Frauen die Politik zum
Handeln auf. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte
zuvor die Krankenkassen aufgefordert, bei künftigen
Verhandlungen die Situation der Hebammen besser zu
berücksichtigen.
Viele Hebammen könnten heute von ihrem Beruf nicht mehr leben,
sagte Edith Wolber vom Deutschen Hebammenverband (DHV). Daher habe
sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Anteil der
Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigten mehr
als verdoppelt. Während sich 1991 nicht einmal jede dritte
Hebamme in einem solchen Arbeitsverhältnis befand, stellten
sie 2010 mit über 70 Prozent die deutliche Mehrheit. Diese
Entwicklung sei eine "Katastrophe", kritisierte Wolber.
Das Einkommen der Hebammen sei "erbärmlich
wenig".
Unterstützung erhält der DHV aus der Opposition. Dass
sich die Bundesregierung nicht vehement für die Verbesserung
der Arbeitsbedingungen der Hebammen einsetze, sei
verantwortungslos, sagte die frauenpolitische Sprecherin der
Grünen, Astrid Rothe-Beinlich. Ihre Amtskollegin von den
Linken, Yvonne Ploetz, sagte, Hebammen seien gezwungen, die
Geburtenhilfe aufzugeben, weil sich die Versicherungsbeiträge
in den vergangenen 30 Jahren "verhundertfacht"
hätten. Im Juli soll die jährliche
Berufshaftpflichtprämie vermutlich um weitere 15 Prozent
steigen.
Die Sorgen der Hebammen würde das Gesundheitsministerium sehr
ernst genommen, sagte ein Sprecher. Die gestiegenen
Haftpflichtprämien seien für viele eine "nicht
unerhebliche finanzielle Belastung". Das habe ein Gutachten im
Auftrag des Ministeriums ergeben. Dennoch sei eine
flächendeckende Versorgung in Deutschland gewährleistet,
wenn freie und in Kliniken tätige Hebammen zusammengenommen
würden.
Unionsfraktionsvize Ingrid Fischbach nahm wie Gesundheitsminister
Bahr die Krankenkassen in die Pflicht. Sie forderte den
Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen GKV eindringlich dazu
auf, die freiberuflichen Hebammen bei künftigen
Gehaltsverhandlungen mit den Hebammenverbänden deutlich
besserzustellen. Ebenfalls seien bessere und bezahlbare
Versichungsbedingungen unabdingbar, fügte die CDU-Politikerin
hinzu.
