Eine anti-islamische Kundgebung der rechtspopulistischen Partei Pro NRW vor der König-Fahd-Akademie in Bonn hat erneut Auseinandersetzungen provoziert. Die Situation eskalierte am Samstag, als Anhänger von Pro NRW islamkritische Karikaturen zeigten.
Aus einer Gruppe von mehreren Hundert Muslimen wurden Steine und
Flaschen geworfen. 27 Polizisten, die die Gruppen voneinander
trennen wollten, erlitten leichte Verletzungen. Ein Beamter und
eine Kollegin wurden durch Messerstiche schwer verletzt. Zudem
wurden mehrere Streifenwagen beschädigt.
Laut Polizei beteiligten sich knapp 30 Personen an der
Pro-NRW-Kundgebung. Wegen der Übergriffe wurden mehr als 100
Personen vorübergehend festgenommen. Ein Großteil von
ihnen befand sich noch in der Nacht im Polizeigewahrsam. Bereits im
Vorfeld waren drei Gegendemonstranten abgeführt worden, weil
sie Waffen bei sich hatten, darunter einen Teleskopschlagstock und
eine Steinschleuder.
Kurz nach den Auseinandersetzungen, die offenbar von den
radikalislamischen Salafisten initiiert wurden, beendete Pro NRW
die Aktion. Einer Polizeisprecherin zufolge blieb die Situation
jedoch gespannt, weil sich einige der muslimischen
Gegendemonstranten weiterhin aggressiv gegenüber den Beamten
verhielten.
Einzelheiten über ihren Einsatz und die Ermittlungen will die
Polizei am (heutigen) Sonntag auf einer Pressekonferenz in Bonn
mitteilen.
Innenminister Ralf Jäger (SPD) hob am Abend in der
"Aktuellen Stunde" im WDR die friedliche Haltung der
überwiegenden Mehrheit der Muslime in NRW hervor. Diese
grenzten sich bewusst von den Salafisten ab, sagte er. Pro NRW sei
eine Splitterpartei, die die gewalttätigen Salafisten
provozierten. Das habe sein Ministerium durch Auflagen für die
Demonstrationen von Pro NRW verhindern wollen. Diese Auflagen
hätten vor Gericht keinen Bestand gehabt. Die Polizei habe das
zu respektieren.
Am Samstag hatte die Partei schon in Aachen vor einer Moschee eine
Kundgebung veranstaltet. In Solingen hatten am 1. Mai
radikalislamische Salafisten bei einer Pro-NRW-Aktion Steine auf
Polizisten geworfen. Drei Beamte, ein Passant und ein Muslim wurden
verletzt.
