Dana Schweiger hat ihre Autobiografie geschrieben

Dana Schweiger
© Georg Wendt (dpa)

Im Herzen barfuß

Hamburg (dpa) - In Deutschland ist Dana Schweiger vor allem eins: die Ex-Frau von Filmstar Til Schweiger. Doch davon will sich das einstige Model gern mehr und mehr freischwimmen. Das tut die 51-Jährige nun mit einem Buch über ihr Leben. «Im Herzen barfuß» heißt es.

Sie habe zuvor schon Anfragen für Autobiografien gehabt und diese abgelehnt. «Das war mir zu privat und ich fand mein Leben auch nicht interessant genug», sagt Dana Schweiger der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Nun sei sie jenseits der 50 und ein bisschen reifer und reflektierter und gelassener - und in der Stimmung dafür gewesen.

Ein Mitspracherecht hatten dabei weder ihre vier Kinder noch Til Schweiger. «Das ist mein Leben!», sagt sie resolut. Und wie hat Til auf ihr Buchprojekt reagiert? «Bestimmt hatte er zuerst eine Panikattacke», sagt Schweiger und lacht. «Nein. Ich glaube, er hat viel Vertrauen in mich und weiß schon, dass ich die pikanten Details («the juicy stuff») auslasse.»

Es sei auch nicht ihr Ziel gewesen, schmutzige Wäsche zu waschen und eiskalt mit Til abzurechnen. «Ja, es sind schwierige Zeiten gewesen. Aber ich wollte auch mit Respekt damit umgehen.» Sie habe zudem nur das geschrieben, was Til ohnehin bereits öffentlich gemacht habe, beteuert sie. Wenn sie allerdings grinsend den Film «Kill Til» als ihren Lieblingsfilm von Til Schweiger bezeichnet, ist auch klar, dass sie dort durchaus etwas zurückhält.

Und so ist in dem Buch zu lesen, dass nicht nur eine, sondern mehrere bedeutungslose Affären ihres Mannes das Ende der Ehe besiegelt hatten. Sie hatte davon Wind bekommen, als sie auf der Suche nach einer Telefonnummer zufällig eindeutige Textnachrichten von anderen Frauen auf seinem Telefon gelesen hatte. Und das auch noch wenige Tage bevor die Schweigers 2004 zum Liebespaar des Jahres gekürt wurden. «Mein Herz raste. (...) Meine Knie fingen an zu zittern, mir war speiübel und ich wurde kalkweiß.»

Zu lesen ist auch, dass die Ehe im Grunde schon vor ihrem Umzug von Malibu nach Hamburg im Jahr 2003 nicht mehr funktioniert hat. Zu selten hatte sich das Paar gesehen, zu wenig in Sachen Erziehung und Haushalt am gleichen Strang gezogen. Dennoch spielten sie zunächst weiter das perfekte Liebespaar - für ihre Kinder. Ein zwölfseitiges Kapitel ist Dana Schweiger dieser Abschnitt ihres Lebens wert.

In den restlichen zwölf Kapiteln spielt der deutsche Schauspieler vor allem eine Nebenrolle. So beschäftigt sich das Buch mit ihrer eher armen Kindheit in Seattle («Wenn man so wie ich aufgewachsen ist, vergisst man nicht, wie hart es sein kann, Geld zu verdienen.»), ihren alljährlichen Ferien auf einer Skihütte in Skykomish («Die Hütte war irgendwann unser absoluter Lebensmittelpunkt»), ihrer wilden Jugend, ihrer Modelzeit in Asien, ihrer Liebe zu Autos, den Aufbau der Firma «Bellybutton», ihrem stetigen Kampf gegen die Pfunde sowie dem Stress, den man als vierfache - zumeist alleinerziehende - Mutter so erlebt.

Das Lesen des Buches fühlt sich an wie eine Mischung aus Sofa-Gespräch bei Rotwein mit Freundinnen und Klatsch-Zeitschriften-Schmökern beim Friseur oder Arzt. Der Leser erfährt viel aus dem Alltag einer Frau um die 50 und wie sie Beziehungs-, Erziehungs- und Firmenkrisen bewältigt hat. Dabei geht sie liebevoll mit ihren eigenen Schwächen und den Schwächen anderer um und haut niemanden in die Pfanne.

Pubertierende Kinder, kritische Schwiegereltern, komische Ex-Freunde, der Neid auf anscheinend perfekte Übermütter - die Beschreibungen ihres Alltags sind so normal, dass sie fast schon banal sind. Ihr sei wichtig gewesen, den Frauen zu sagen: «Du bist nicht allein!». Auch bekannte oder wohlhabendere Frauen hätten am Ende des Tages die gleichen Probleme und Schwierigkeiten mit ihrem Leben, ihren Männern, ihren Kindern und ihrem Job - prominent hin oder her. «Das betrifft uns alle. Wir Frauen haben alle die gleichen Themen.»

Das Schreiben des Buches - zusammen mit der Ghostwriterin Janina Jetten - habe ihr gezeigt, was im Leben wirklich wichtig ist. Die ersten Interviews mit der Autorin hatte sie zudem just, als im November 2018 in Malibu bei Los Angeles Waldbrände Tausende Wohnhäuser zerstörten und auch sie vor den Flammen in Windeseile fliehen musste. «Was packst du in deinen Koffer, wenn es um Leben und Tod geht - wenn du nur 60 Minuten Zeit hast, dich zu entscheiden?». Sie entschied sich für den Laptop mit den Familienfotos, den Pass, das Portemonnaie und ein völlig unbedeutendes Sommerkleid.

Mittlerweile wohnt sie wieder in dem Haus in Malibu («Es hatte nur Rauchschaden im Inneren und ein paar Schäden im Außenbereich»), spaziert regelmäßig durch die Berge, paddelt über das Wasser und genießt die letzten Monate mit ihrer jüngsten Tochter Emma, bevor die nach ihrem Schulabschluss auch flügge werden wird. Bis dahin sucht sie noch etwas, was sie leidenschaftlich beschäftigt. «Ich muss irgendwo dann in mein neues Leben einsteigen. Bislang habe ich das noch nicht so genau gefunden. Aber ich bin glücklich.»

Zu ihrem eigenen Beziehungsstatus sagt Schweiger zunächst nicht viel. Nur «it's complicated» (Es ist kompliziert). «Es ist undefiniert. Aber da ist jemand Wichtiges in meinem Leben.»

Dana Schweiger: Im Herzen barfuß, Verlag Edel Books, 236 Seiten, 17,95 Euro. ISBN: 978-3-8419-0661-8

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