«The Report» mit Adam Driver arbeitet Folter auf

The Report
© Atsushi Nishijima (dpa)

Einer gegen die CIA

Berlin (dpa) - «The torture report», der Folter-Report - so heißt es ganz unzweideutig im Vorspann des Geschichtsdramas «The Report». Dann wird das Wort «Folter» geschwärzt, ganz so wie etliche Passagen im echten Folter-Bericht des US-Senats, der im Jahr 2014 für Aufsehen sorgte.

Auf mehr als 6000 Seiten hatte der Senatsmitarbeiter Daniel Jones aufgelistet, wie umfangreich und systematisch der US-Geheimdienst CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Terrorverdächtige foltern ließ - brutal, gnadenlos und ohne nennenswerten Erkenntnisgewinn. Eines der düsteren Kapitel der jüngeren US-Geschichte und Vorlage für den Film «The Report».

Adam Driver spielt diesen engagierten, ja verbissenen Senatsangestellten Jones, unglaublich intensiv und extrem glaubwürdig. Er beweist damit einmal mehr, welche schauspielerische Bandbreite in ihm steckt - seine Rollen reichen von «Star Wars»-Bösewicht Kylo Ren über einen Trottel-Gangster in «Logan Lucky» bis zum Anti-Rassismus-Kämpfer in «BlacKkKlansman». Ihm an der Seite - und gegenüber - steht Annette Benning als Senatskomitee-Vorsitzende Dianne Feinstein. Sie will diesen Folter-Report ebenso sehr wie er, doch muss die erfahrene Politikerin den jungen Heißsporn immer wieder einfangen und hinter den Kulissen verhandeln.

Eine ganze Riege arrivierter Kollegen wie Jon Hamm, Maura Tierney und Ted Levine runden das Ensemble ab, doch im Mittelpunkt steht eindeutig Driver als Jones und der Bericht, der über fünf Jahre zu dessen Lebensinhalt wurde. Man kann durchaus Parallelen zum Klassiker «Die Unbestechlichen» um die Aufdeckung des Watergate-Skandals ziehen. Doch während damals Dustin Hoffmann und Robert Redford als Zeitungsreporter gemeinsam auf die Jagd nach der Wahrheit gingen, muss das jetzt Driver allein schultern. Und er meistert das grandios.

Regisseur und Drehbuchautor Scott Z. Burns hat das Drama sehr klassisch inszeniert - und das ist durchaus ein Kompliment. Jones recherchiert in einem Kellerbüro in CIA-Dokumenten, er spricht mit Informanten, wird in Konferenzräumen von seinen Gegnern in die Mangel genommen; es gibt Senatssitzungen, Kapitol-Ansichten, viel Politik-Establishment. Umso mehr verstören die wenigen Rückblicke auf einzelne Folter-Akte in geheimen CIA-Gefängnissen irgendwo auf der Welt: Nackte Gefangene angekettet in schäbigen Zellen, ohrenbetäubender Heavy Metal in der stickigen Luft, brutale Wärter und immer wieder das berüchtigte Waterboarding, das Ertrinken simulieren soll.

Diese kurzen Szenen tun weh, wirken nach, brennen sich auf der Netzhaut ein. Nicht, weil sie so brutal inszeniert wären; nicht, weil hier filmisch Geschmacksgrenzen überschritten würden. Nein, weil sie so realistisch daherkommen - und weil genau das Realität war in der Ära des Präsidenten George W. Bush. Die grausame Ironie: Diese Methoden haben Jones' Bericht zufolge praktisch keine verwertbaren Ergebnisse im Kampf gegen den Terror gebracht. Das Aufspüren des damaligen Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden, die Verhinderung etlicher Attentate, die Festnahme von Terrorverdächtigen - all das wurde demzufolge mit konventionellen Ermittlungsmethoden erreicht.

So verwundert es nicht, dass Jones' Arbeit und seine Ergebnisse für viel Aufruhr sorgten. Seine Arbeit wurde behindert, er selbst als Verräter angegriffen, sein Bericht zensiert. Am Ende wurde eine mehr als 500 Seiten starke Zusammenfassung seiner Ergebnisse veröffentlicht, die offizielle US-Politik distanzierte sich von solchen Methoden. Ein Erfolg für die Demokratie - und dennoch: Niemand der damals Verantwortlichen wurde dafür persönlich zur Rechenschaft gezogen, und der komplette Bericht von mehr als 6000 Seiten ist weiterhin unter Verschluss.

The Report, USA 2019, 120 Min., FSK ab 12, von Scott Z. Burns, mit Adam Driver, Annette Bening, Jon Hamm

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