
Eine Stunde pro Woche für die Zukunft
In den Klassen 8, 9 und 10 soll es künftig eine feste Stunde pro Woche geben, in der sich alles um die berufliche Zukunft dreht. Dabei geht es nicht nur darum, Ausbildungsplätze zu suchen. Jugendliche sollen ihre eigenen Stärken und Interessen besser kennenlernen und herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Denkbar ist zum Beispiel, dass Auszubildende in die Schule kommen und von ihrem Arbeitsalltag erzählen. Auch externe Experten sollen Einblicke geben – etwa zu Themen wie Versicherungen, Verträgen oder Steuern.
Schulministerin Dorothee Feller hält es für wichtig, die Wünsche der Jugendlichen ernst zu nehmen. Bei Schulbesuchen erlebt sie immer wieder, dass auch ganz praktische Alltagsfragen gefragt sind:
„Ich wundere mich auch immer, warum die 14-Jährigen wissen wollen, wie eine Steuererklärung geht, aber ich nehme die Interessen sehr ernst der jungen Menschen.“
Die neue Berufsorientierungsstunde soll zum kommenden Schuljahr zunächst freiwillig angeboten werden. Die genauen Inhalte werden derzeit noch ausgearbeitet.
Mehr Zeit in echten Betrieben
Neben der Theorie in der Schule soll vor allem die Praxis eine größere Rolle spielen. Die bisherigen Praxisphasen in Unternehmen sollen um ein Drittel wachsen. Bislang verbringen die Jugendlichen je nach Schulform und Bildungsgang zwischen 18 und 24 Tagen in Betrieben. Künftig sollen sie also noch häufiger beispielsweise in einer Werkstatt, einer Pflegeeinrichtung oder einem Büro mitarbeiten und den Berufsalltag kennenlernen, sagt Feller im Interview mit José Narciandi, unserem Leiter Landespolitik:
„Wenn Schülerinnen und Schüler in der Praxis sind, unmittelbaren Eindruck bekommen in den Betrieben, dass sie dann noch mal viel besser eine Vorstellung bekommen, was das eigentlich heißt, jeden Tag zu arbeiten.“
Das ganze Interview mit der Schulminsterin
Laumann: Nicht nur aufs Studium schauen
Auch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann setzt auf möglichst viele praktische Erfahrungen. Er findet, dass sich alle Schulformen stärker mit beruflichen Ausbildungswegen beschäftigen sollten – ausdrücklich auch die Gymnasien. Denn neben dem Studium gebe es rund 300 verschiedene Ausbildungsberufe. Die Jugendlichen müssten erst einmal herausfinden, welche Möglichkeiten überhaupt zu ihnen passen.
Laumann erinnert sich dabei an seine eigene Berufswahl. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und wollte etwas mit Landmaschinen machen. Mit 15 Jahren suchte er sich selbst einen Ausbildungsplatz:
„Ich bin mit meinem kleinen Fahrrad dahin gefahren und habe gefragt, ob ich da anfangen kann.“
Heute sei die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz oft komplizierter. Laumann möchte deshalb auch Jugendliche stärker unterstützen, deren Eltern nicht über die nötigen Kontakte zu Unternehmen verfügen. Außerdem sollen Eltern bei der Berufswahl stärker einbezogen werden.
Das ganze Interview mit NRW-Arbeitsminister Laumann
Diese Maßnahmen sind geplant
Insgesamt umfasst das NRW-Paket neun Punkte, die die Berufsorientierung individueller und praxisnäher machen sollen:
- Feste BO-Stunde: Eine Wochenstunde zur Berufsorientierung in den Klassen 8, 9 und 10.
- Mehr Praktika: Die Praxisphasen in Unternehmen werden um ein Drittel ausgeweitet und flexibler gestaltet.
- Digitale berufswahlapp: Ein digitales Portfolio soll Jugendliche bei ihrer Berufswahl begleiten.
- BOaktiv: Ein digitales Instrument soll helfen, persönliche Stärken und Kompetenzen zu erkennen.
- Mehr Elternbeteiligung: Eltern sollen stärker in den Berufswahlprozess eingebunden werden.
- Mehr Beratung: Schülerinnen und Schüler sollen an wichtigen Punkten ihrer Berufsorientierung intensiver beraten werden.
- Stärkere Ausbildungsvorbereitung: Jugendliche an Berufskollegs sollen gezielter begleitet werden.
- Jugendberufsagenturen: Schulen, Arbeitsagenturen und Jobcenter sollen vor Ort enger zusammenarbeiten.
- Ganzheitliche Standortbestimmung: Neben digitalen Kompetenzprofilen sollen auch Lernstände und Beobachtungen der Lehrkräfte berücksichtigt werden.
Die Maßnahmen werden schrittweise umgesetzt. Einige Angebote laufen bereits an, andere werden derzeit noch konkret ausgearbeitet.
Weitere Informationen zur Berufsorientierung in NRW
Wer sich genauer über die Angebote und Möglichkeiten informieren möchte, findet weitere Informationen auf den Internetseiten des Landes:


