Azubi-Report NRW 2025: Zwischen Zufriedenheit und deutlicher Kritik an Ausbildungsbedingungen
Veröffentlicht: Mittwoch, 11.02.2026 13:15
Viele Auszubildende in NRW sind mit ihrer Ausbildung zufrieden - doch ein erheblicher Teil berichtet über Überstunden, niedrige Vergütung und fehlende Perspektiven. Der neue Ausbildungsreport der DGB-Jugend NRW zeigt, wo Betriebe gut ausbilden und wo es für junge Menschen schwierig wird.

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Gute Noten – aber nicht für alle
Die Mehrheit der Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen blickt grundsätzlich positiv auf ihre Ausbildung. Laut Ausbildungsreport 2025 der DGB-Jugend NRW sind 69 Prozent der befragten Azubis zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist die gute Nachricht. Gleichzeitig zeigt der Report aber auch: Bei rund drei von zehn Ausbildungsverhältnissen gibt es aus Sicht der Befragten deutliche Mängel. Die Zufriedenheit unterscheidet sich zudem stark zwischen den einzelnen Berufen.
Große Unterschiede zwischen den Berufen
Besonders zufrieden sind angehende Bankkaufleute. In dieser Gruppe gaben 100 Prozent an, mit ihrer Ausbildung zufrieden zu sein. Auch Industriemechanikerinnen und -mechaniker schneiden im Ranking weit oben ab. Am anderen Ende der Skala finden sich unter anderem Verkäuferinnen und Verkäufer sowie Anlagenmechaniker. Auch Berufe wie Koch, Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Hotelfachleute oder zahnmedizinische Fachangestellte erhielten vergleichsweise schlechte Bewertungen. In die Gesamtbewertung flossen laut DGB vier Bereiche ein: Fachliche Qualität, persönliche Bewertung, Arbeitszeiten inklusive Überstunden und die Vergütung.
Überstunden und ausbildungsfremde Tätigkeiten
Ein zentrales Thema des Reports sind die Arbeitsbedingungen. Ein Drittel der Azubis (33 Prozent) gibt an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Für viele gehört das offenbar zum Alltag. Zudem berichten 15 Prozent der Befragten von ausbildungsfremden Tätigkeiten – etwa Kaffeekochen, Botengängen oder Putzen. Solche Aufgaben tragen nicht zur fachlichen Qualifikation bei und sorgen bei Betroffenen häufig für Frust. Knapp neun Prozent sagen außerdem, sie hätten keinen festen Ausbilder. Und selbst dort, wo es offiziell eine zuständige Person gibt, ist diese laut rund zwölf Prozent der Azubis selten oder nie präsent.
Unsichere Perspektiven und große Gehaltsunterschiede
Für viele junge Menschen ist die Frage entscheidend, wie es nach der Ausbildung weitergeht. Doch mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) wusste zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht, ob sie im Betrieb übernommen werden. Diese Unsicherheit erschwert die Planung der eigenen Zukunft. Auch bei der Vergütung zeigen sich deutliche Unterschiede. Während angehende Bankkaufleute im Schnitt rund 1.300 Euro verdienen, erhalten Friseur-Azubis mit etwa 719 Euro nur rund die Hälfte. Solche Differenzen beeinflussen, wie attraktiv einzelne Berufe für Schulabgängerinnen und -abgänger sind.
Forderungen an Betriebe und Politik
Aus Sicht des DGB brauchen junge Menschen bessere Rahmenbedingungen, um eine Ausbildung beginnen und erfolgreich abschließen zu können. Gefordert werden unter anderem mehr Ausbildungsplätze, ein funktionierendes Übergangssystem zwischen Schule und Beruf sowie bessere Unterstützung bei Mobilität und Wohnen.
Diskutiert werden etwa ein flächendeckend vergünstigtes Azubi-Ticket und mehr Azubi-Wohnheime, besonders in Regionen mit hohen Mieten. Zudem weist der DGB darauf hin, dass derzeit nur ein Teil der Unternehmen überhaupt ausbildet. Langfristig, so die Argumentation, schadeten schlechte Ausbildungsbedingungen nicht nur den Jugendlichen, sondern auch den Betrieben selbst – gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel.
Zum ausführlichen Azubi-Report NRW geht es hier
Autor: José Narciandi